——
b
——
44. Ein Geheimniß.
Graf fort.„Ich hatte ein kleines Rencontre. Ich ſah mich veranlaßt, mit einem jungen Manne, den ich wenig kenne, ein Paar Kugeln zu wechſeln. Es war eine unbedeutende Geſchichte, und ich ſehe es wohl ein, daß ich vielleicht Unrecht hatte.“
„Etwas zu befürchten,“ warf der Major ein.
„Ah, davon war keine Rede!“ entgegnete der Graf und hob ſich ſtolz empor.„Wenigſtens nicht in deinem Sinne. Die Sache war einfach die: Ich erſchien mit meiner Frau in einer Soirée bei**. Meine Frau betrat zuerſt den Salon, ich folgte ihr. Zwei Reihen junger Herren, wie das leider der Brauch iſt, ließen uns durchpaſſi⸗ ren, und ich ärgerte mich ſchon darüber, daß ſie meine Frau ſo rück⸗ ſichtslos begafften.“
„Du hatteſt Unrecht. Wir haben es in unſerer Zeit gerade ſo gemacht.“ 3—
„Einige hatten ſogar ihre Augengläſer eingeklemmt, was ich zu meiner Zeit niemals gethan.— Nun gut! Meine Frau ſchreitet voran, ich folge ihr; ich muß geſtehen, die jungen Leute verneigten ſich ehrfurchtsvoll; dabei bemerkte ich aber auf einmal, daß Einer meiner Frau auf eine ungemein verbindliche Art zuzulächeln ſchien.“
„Du hatteſt dich geirrt!“
„Es iſt möglich. Aber damals fuhr es mir wie ein Stich durch das Herz; ich blickte den jungen Mann feſt an, ich haßte den faſt mir Unbekannten aus tiefſter Seele. Vielleicht war ich aufgeregt. Wir traten ein; ſpäter wurde getanzt; jener junge Mann von guter Familie ließ ſich meiner Frau vorſtellen und tanzte mit ihr eine Francaiſe. Später bittet er noch um einen Walzer, was ich meiner Frau verbiete.“
„Daran thateſt du ſehr unrecht. Du verbieteſt deiner Frau etwas, was du nicht verbieten darfſt, und durch dieſes Verbot ſtellſt du ihr einen bis dahin gänzlich unbedeutenden Menſchen als etwas Wichtiges vor Augen. O, ich hätte dich für klüger gehalten!“
„Heute bin ich ganz deiner Anſicht. Aber, wie geſagt, an jenem


