Ein Geheimniß. 43
„Vollkommen, lieber Freund!“ antwortete der Hausherr mit einem einigermaßen trüben Lächeln.„Wir verſtehen einander. Ich bin in der That froh, daß du dageblieben; obgleich ich vor den Anderen eigentlich keine Geheimniſſe habe, ſo kann ich mich doch nur dir gegen⸗ über recht frei und offen ausſprechen.“
„Dir fehlt etwas!“ bemerkte der Major in einem Tone, der deutlich ausſprach, er irre ſich nicht.
„Ja,“ antwortete der Graf.
„Du biſt nicht glücklich?“
„Das will ich eigentlich nicht behaupten. Nur fürchte ich, un⸗ glücklich zu werden.“
„Ah, mein lieber Freund, du haſt nur Befürchtungen? Die zu haben, iſt eine ſchlimme Krankheit. Laß dich einmal von ihr ergrei⸗ fen, und du haſt bei den angenehmſten, beſten Verhältniſſen keine ruhige Stunde mehr.— Befürchtungen?— Ja, was kann der Menſch nicht alles befürchten! Du ſtehſt am Morgen geſund und munter auf, biſt aber unglücklich, weil du befürchteſt, im Laufe des Tages krank zu werden. Du beſteigſt ein junges, muthiges Pferd; aber deine Luſt an dem Thiere iſt plötzlich vorbei, denn du befürchteſt allerlei Unfälle, die dir begegnen können. Das— gewöhnlichen und traurigen Arten von Befürchtungen der Menſchen, ohne daß man ſie Furcht nennen könnte; denn die muthigſten Männer haben dergleichen Zufälle. Woher kommen ſie? Von mehr oder minder angegriffenen Nerven, von einer ſchlafloſen Nacht oder dergleichen.— Nur keine Befürchtungen ohne haltbare Gründe dazu!“
„Ich habe dich ruhig ausreden laſſen,“ entgegnete der Graf, „ohne daß du mir den gleichen Dienſt vorhin erzeigteſt. Wenn ich ſagte, ich fürchte, unglücklich zu werden, ſo wollte ich hinzufügen: und ich habe hiefür meine Gründe.“
„Ah, das iſt etwas Anderes!— Verzeihe mir, ich will dich ruhig anhören.“
„Du ſiehſt, ich trage meinem Arm in der Schlinge,“ fuhr der


