Ein Geheimniß. 37
auf, mit ihm in demſelben Gaſthofe zu wohnen, was wir auf das Bereitwilligſte thaten. Unterweges, vom Hafen in die Stadt, plau⸗ derten wir natürlicher Weiſe mit den jungen Damen; doch blieb uns Sir Robert immer zur Seite, und einmal, als ich ihn ſehr plötzlich anſah, bemerkte ich, daß er ein Geſicht gegen mich machte, bei dem mir unwillkührlich ein Tiger einfiel, der ſeine gewiſſe Beute mit ein⸗
gezogenen Krallen ſtreichelt. Den Teufel auch! dachte ich; wir ſind
nicht in Indien!— Seine Töchter behandelte er ziemlich barſch und
rauh, und auch ſonſt machte ſich ſeine Heftigkeit wieder unerträglich
breit. Dabei war es weder mir noch dem Major möglich, ihn durch
ein luſtiges Wort zu beſänftigen. Wir hatten alle Gewalt über ihn
verloren, und deß freute ſich der röthliche Gentleman auf's ſichtbar⸗
lichſte.
„Samstag früh erhielten wir eine Einladung zum Diner bei Sir Robert. Das Diner war auf vier Uhr beſtimmt, um ſechs Uhr muß⸗ ten wir an Bord.„Meine Herren,“ ſagte er, als die Suppe kam, mit ſtrahlendem Geſicht und triumphirender Miene,„noch einmal wollen wir ſo recht angenehm zu Mittag ſpeiſen. Morgen kommt vielleicht die Seekrankhei wir haben vier Tage nach Malta.— Das Diner war eeanthägt rue ausgezeichnet, und zuletzt thaten wir noch einen Abſchiedstrunk aus dem Flaſchenkeller Sir Robert's, um von hier morgen Abſchied zu nehmen und frei der Heimat zuzuſteuern. Dann gingen wir auf unſere Zimmer und ließen unſer Gepäck abgehen.
„Ich weiß nicht, mir war ganz ſonderbar zu Muthe. Ich hatte doch nur ſehr wenig Bordeaux und Champagner zu mir genommen, und doch ſtieg mir das Blut ſo in den Kopf, alles drehte ſich mit mir dergeſtalt herum, daß ich mich oftmals an einem Tiſche oder an einem Stuhle halten mußte. Der Major, der eine ungleich ſtärkere Konſtitntion beſitzt, ſah furchtbar blaß aus und ſpürte eine ſonderbare Bewegung in der Gegend des Magens. Wir ſahen uns achſelzuckend an; aber es war keine Zeit zu verlieren, um lange darüber zu ſprechen, wir mußten an Bord..
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