4 Ein Geheimniß.
„Und worüber warſt du im Klaren?“ fragte der Hausherr. 8 „Darüber, daß, wenn ich mich je einer der beiden jungen Damen mit ernſten Abſichten nähern würde, dieß nicht Miß Ellen ſein ſollte.“ „Und er hielt ſeinen Entſchluß,“ warf der Major ein; worauf
84 die drei Freunde herzlich lachten. „Ich habe nur,“ fuhr der Baron fort,„dieſen kleinen Vorfall erzählt, um euch ein⸗ für allemal mit der Heftigkeit des alten Herrn au fait zu ſetzen. Dergleichen Geſchichten kamen täglich, ja, zuweilen ſtündlich vor, und dann trat entweder der Major oder ich als eine Art von Sicherheits⸗Ventil für die Damen oder als Blitzableiter auf.
Den zweiten Vorfall, den wir erlebten, nahm ich natürlicher Weiſe auf mich.“ „Der Baron wollte auch ſeinen Blick haben,“ verſetzte der Di⸗ plomat.
„Und er bekam ihn,“ bemerkte der Major. 3„Nun gut, wir lebten ſo weit ſehr angenehm zuſammen, bis auf
den Neffen. Der konnte es begreiflicher Weiſe nicht ertragen, daß wir uns bei dem alten General in Gunſt ſetzten, und dann hatte er auch eines Tages die unglückſelige Idee, bei einem Zornausbruche des Oheims unſere Rolle ſpielen zu wollen. Das lief aber für ihn ſo traurig ab, daß mich Miß Thereſe, die andere Tochter, augenblicklich holen ließ.“. „Miß Ellen hatte nach mir geſchickt,“ ſagte trocken der Major. „Ich kam zuerſt und muß geſtehen, es koſtete einige Mühe, den armet Neffen aus dem Zimmer zu bringen. Denn der alte General umkreiste ihn wüthend, wie der Löwe ſein Opfer, und wollte es ſelbſt mir anfänglich gar keinen Dank wiſſen, daß ich daſſelbe aus ſeinen Händen befreite.“. „Der Baron erzählt außerordentlich angenehm und verſtändlich,“ bemerkte hier der junge Diplomat.„Miß Thereſe ſchickte nach ihm, Miß Ellen nach dem Major— wir wiſſen nun, woran wir ſind.“ „Das iſt jetzt gar kein Geheimniß mehr,“ antwortete der Erzäh⸗


