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Ein Geheimniß.
üdesheimer brachte. Er koſtete einen Tropfen und ſagte mit gerlichem Tone: ‚Das iſt kein guter Hochheimer!“ worauf der un⸗
glückliche Kellner antwortete, es ſei ſogar eine vorzügliche Qualität. Eine Sekunde nachher, und er hatte Glas und Qualität im Geſichte. Es erſchienen alle Anzeichen eines ſtarken Zornausbruches, und Sir
Robert ſchaute herausfordernd ſeine beiden Töchter ſowie den Neffen an, ob ſich nicht vielleicht ein Opfer finden würde, das an der Stelle des davongeeilten Kellners zu ergreifen wäre.— Es trat eine pein⸗ liche Pauſe ein, bis der Major den kühnen, aber klugen Einfall hatte, dem Tiger in ſeiner derben, unerſchrockenen Manier direkt auf den Leib zu gehen. Er that prüfend einen Schluck, ſetzte das Glas nieder und ſagte:„Obgleich kein Hochheimer, iſt er doch in der That von vorzüglicher Qualität.— Ah, beſter Sir Robert, laſſen wir uns durch Kleinigkeiten nicht die gute Laune trüben.— Ein friſches Glas und angeſtoßen!— Auf glückliche Ankunft in England!“
„Die beiden Miſſes und der Neffe ſaßen erſtarrt ob dieſer Keck⸗ heit. Einen Augenblick auch zuckte die Hand des alten Generals, und ihm ſchien die Wahl wehe zu thun zwiſchen einer Flaſche und einem Ragout⸗Deckel, um Eines davon in die Ecke des Saales zu befördern. Doch ſah ihn der Major ſo feſt und eigenthümlich lächelnd an, und hielt ihm ſeine Hand entgegen, dieſelbe Hand, die der alte Herr neu⸗ lich hatte kennen gelernt, daß er ſich plötzlich eines Beſſeren beſann, hart den Athem von ſich blies und endlich ſagte:„Sie haben Recht, Herr Major. Warum uns über Kleinigkeiten ereifern: Mag der Teufel den Kellner holen!“ 2
„Er ſoll ihn holen!“ antwortete unſer Freund, und die Sache war beigelegt. Die armen jungen Damen athmeten tief und freudig auf, und die älteſte, Miß Eleonore, hob ihre großen, dunkeln Augen langſam auf und ſchmetterte dem Major einen Blick zu, ich möchte lieber ſagen: eine Legion Blicke in eine Sekunde zuſammen gedrängt, einen Blick, in dem ſich Dankbarkeit, Achtung ſo ſtark ausdrückten⸗ daß ich augenblicklich mit mir im Klaren war.“
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