24 Ein Geheimniß.
Mutter geblieben; ich glaube, Frau von D. iſt unpäßlich, und da iſt
es ſehr natürlich, daß die Tochter der Mutter Geſellſchaft leiſtet.“ „Vollkommen begreiflich,“ entgegnete der Diplomat mit dem Tone
der Ueberzeugung und ſetzte hinzu:„Du wirſt uns erlauben, unſer
Bedauern darüber auszudrücken, daß wir die Gräfin heute Abend nicht
ſehen können.“
Der Baron ſagte etwas Aehnliches und ſchien ebenfalls darin nichts Beſonderes zu finden. Er blickte in die Gluth des Kaminfeuers und war offenbar mit ſeinen Gedanken in Aegypten oder ſonſtwo.
Nur der Major allein that einen forſchenden Blick auf den Freund, und ihm war es nicht entgangen, daß die Lippen des Grafen einige Mal gezuckt und daß derſelbe einen ernſten Blick auf das Zifferblatt der Ahr neben ſich warf.
„Ihr ſeht,“ verſetzte der Hausherr nach einer kleinen Pauſe,„daß ich heute nicht im Stande bin, euch die verſprochene Geſellſchaft meiner Frau zu verſchaffen. Aber es wäre ſehr ſchön von euch, wenn ihr noch ein paar Stunden bliebet, um mit meinem Thee und mir fürlieb zu nehmen.“
„Ich kaun nichts Beſſeres thun,“ entgegnete der Baron.
Und der Geſandtſchafts⸗Sekretär meinte: es könne vom Fortgehen keine Rede ſein, da der Baron ihnen eine Geſchichte von Malta ver⸗ ſprochen habe.
„Es verſteht ſich von ſelbſt, daß wir bei dir bleiben,“ ſprach be⸗ ſtimmt der Major.„Gib uns eine Taſſe Thee und halte uns ſo lange du willſt. Vorausgeſetzt, daß du es uns ſagen wirſt, ſobald du oder vielmehr dein verwundeter Arm müde wird.“
„Ich bin euch für euer Auerbieten ſehr dankbar,“ entgegnete der Graf,„denn ich würde mich ſehr einſam fühlen; ich bleibe auf alle Fälle auf, bis meine Frau zurückkommt, und ſchätze mich glücklich, daß ihr mir Geſellſchaſt leiſten wollt.— Aber trinken wir unſeren Thee — nehmt neue Cigarren, und dann muß uns der Baron etwas Hei⸗ teres erzählen.“


