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Ein Geheimniß.
und ein Anderer ſprang von der Seite her und faßte meinen Eſel am Zügel. Dem Letzteren ließ ich aber meinen Stock ſo kräftig auf die Hand fallen, daß er heulend dieſelbe los ließ, um mich jedoch gleich darauf mit der anderen wieder zu faſſen. Wir ſaßen ſchön im Ge⸗ dränge und konnten im nächſten Augenblick zu Boden geſchlagen und zertreten ſein. Da trabte ein Reiter quer über den Platz dahin, dem zwei Kawaſſen folgten. Mir ſchien anfänglich jener Reiter ein vor⸗ nehmer Beduine zu ſein, denn er trug einen prächtigen Burnus und ein goldgeſticktes Kopftuch. Die drei Reiter kamen gerade auf uns zu, weßhalb die Menge einen Augenblick auf die Seite wich. Plötz⸗ V lich ſah ich, wie der Beduinen⸗Häuptling mit einem Satze ſeines Pfer⸗ des an meiner Seite war, und als ich mich umdrehte, hatte er jenen Kerl, der gerade einen Schlag nach mir führen wollte, am Halſe gefaßt und zog ihn ſo gewaltig in die Höhe, daß er einen Schuh vom Boden zappelte.“
„Der brave Major!“ ſagte laut lachend der Hausherr.„Das 6 war zur rechten Zeit gekommen.“
„Aber ſo konnte auch nur er kommen,“ fuhr der Barou fort. „Nachdem er unſeren Feind einen Augenblick hatte zappeln laſſen, warf er ihn mit einer Handbewegung in den dickſten Haufen hinein, ſo daß er ſelbſt zu Boden ſtürzend, Drei bis Vier mit ſich niederriß.“
„Ja, ja,“ nahm in dieſem Augenblicke der Major das Wort, „es war ſchade, daß damit die Geſchichte zu Ende war. Ich hätte mich auf eine kleine Rauferei unendlich gefreut. Wenn man ſo friſch aus der Wüſte kommt, tagelang im Sattel, immer unter freiem Him⸗ mel, hier und da eine kleine Attaque auf einen Trupp Raub⸗Beduinen
mitmacht, da jucken Einem die Finger. Es war, wie geſagt, ſchade,* Baron, daß ich dich nicht ein Bischen tiefer im Gedränge fand. Aber
ſie ſtoben auseinander wie aufgeſchreckte Hühner. Ich richtete mich in* den Steigbügeln empor, ſah mich ein paar Mal rings um— Alles. 5
umſonſt; ſie machten uns mehr Platz als wir brauchten. Und da
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