Ein Geheimniß.
Der Hausherr war eine ſchlanke, zierliche Geſtalt, von eleganten
und leichten Bewegungen; er hatte blondes Haar, einen eben ſolchen
zierlich zugeſpitzten Bart, den er durch häufiges Drehen mit den Fin⸗ gern in ſeiner horizontalen Lage zu erhalten ſuchte. Sein Geſicht war offen und ehrlich, namentlich die blauen Augen unter der hohen Stirn, und dieſe glänzten und zeigten dem aufmerkſamen Beſchauer, daß das Herz des Grafen ohne Falſch war, und daß man ihm un⸗ bedingt vertrauen dürfte. Das wußten auch alle ſeine Freunde, und deßhalb liebten ſie ihn.
Der Graf B. war ſehr reich und hatte vor ungefähr vier Mo⸗ naten nach ſeiner Neigung geheirathet. Die Gräfin war ebenfalls ſchön, jung, von guter und reicher Familie; beide liebten ſich zärtlich,
mithin waren ſie ſehr glücklich.
Der Baron A. war der Aelteſte der vier Freunde. Ein Mann an die Vierzig, hatte er ein bewegtes Leben geführt, lange und weite Reiſen gemacht und kam eben mit dem Major aus England zurück, wo ſie ſich ein halbes Jahr aufgehalten, nachdem ſie vorher im Orient zufällig ſich getroffen.
Der Major war Adjutant des Königs und diente, da er gleiche falls ein großes Vermögen beſaß, nur aus Anhänglichkeit an ſeinen Monarchen. Er war ein Mann von anerkanntem Muth, von einer großen Körperkraft, ein vortrefflicher Reiter, kurz, ein Offizier, mit allen den Eigenſchaften verſehen, die nöthig ſind, um im Kriege eine große Carriere zu machen. Doch leider, für ihn herrſchte der tiefſte Frieden, und da er nun einmal nicht unthätig bleiben konnte, ſo hatte er, wie ſchon geſagt, große Reiſen gemacht und während derſelben Gefahren aller Art aufgeſucht und glücklich beſtanden.
„ Ja, ja,“ ſagte Graf B.,„jetzt ſind wir wieder hier in dem
Salon verſammelt, wo ſo oft Plane gemacht wurden, um das Knt⸗
gegengeſetzte auszuführen.“ „Das war namentlich bei dir der Fall,“ entge tete Aniar„Hatteſt du nicht den Entſchluß gefaßt


