Ein Geheimniß.
Statt deſſen aber ſiehſt du die ſchönen Augen deiner Frau und bleibſt an die Scholle gefeſſelt.“ 1
„Die Wege des Schickſals ſind ſonderbar,“ antwortete beiſtim⸗ mend der Graf;„denn ihr Beiden zieht hinaus, beſteht Gefahren und Ungemach aller Art, und als ihr nun glücklich zurückkommt, geſund und unverletzt, findet ihr mich mit dem Arm in der Binde.“
Bei dieſen letzten Worten war der Graf ſehr ernſt geworden und fuhr mit der linken Hand an ſeinen Schnurrbart, während er mit dem rechten Arm ungeduldig zuckte.
„Das ſind Sachen,“ meinte der Baron achſelzuckend,„die Jedem von uns paſſiren können. Heute dir, morgen mir. Namentlich wenn man einmal verheirathet iſt. Und ich bin noch froh, daß die Sache ſo ablief.— Haſt du es dem Major erzählt?“ 4
„Noch nicht— ſpäter,“ antwortete zerſtreut der Graf.—„Aber wie findet ihr meine Cigarren? Mögt ihr noch Havannah rauchen, da ihr wahrſcheinlich durch vortreffliche Nargileh und den feinſten Latakia aus unendlich langen Pfeifen verwöhnt ſeid... 2“
„Was mich anbelangt,“ verſetzte der Major,„ſo war ich unend⸗ lich froh, wieder einmal eine vernünftige Cigarre zu bekommen. Und die hat man in England, theuer, aber gut.“
Der Graf richtete, ohne eine Antwort zu geben, die Augen for⸗ ſchend auf den Kamin und ſagte, mehr zu ſich ſelber, als zu den Anderen:„Meine Frau bleibt lange aus!“— Auch hütte ein ſehr aufmerkſamer Beobachter bemerken können, daß bei dieſen Worten ein leichter Schatten über die ſonſt ſo offenen Züge des Grafen flog.
„Wohin iſt die Gräfin?“ fragte der Baron.
„Sie dinirt bei ihrer Mutter,“ entgegnete der Graf.
„Ah, das müſſen wir uns zum Vorwurfe machen,“ warf der Legations⸗Secretär dazwiſchen.„Durch dein Garcondiner haben wir ſie vertrieben. Ich bedaure das ſehr. So gern ich, wie ſchon früher
bemerkt, en garcon ſpeiſe, ſo möchte ich doch in deinem Hauſe nis
anders als ein Diner en famille machen.“


