Teil eines Werkes 
25. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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10 Ein Geheimniß.

Ja, es iſt einer jener Herbſttage, die, wenn Morgens früh der Nebel in die Thäler hinab ſinkt, noch friſch, warm und angenehm ſein können, die aber, wenn das Sonnenlicht jene weißen dichten 1 Maſſen nicht zu überwältigen vermag und ſie nun langſam zum Him⸗ mel empor ſteigen, alles mit ihrem trüben Grau überziehen und als⸗* dann zu einem jener langweiligen, froſtigen Regenwetter werden, welche nie ſo empfindlich und unangenehm ſind, als gerade um dieſe Zeit. Die Wolken hangen ſo dicht herab, daß man ſie faſt mit den Händen greifen kann; hier vor uns in einer einfachen trüben Farbe, dort weiter wie in langen grauen Schleiern, welche zuweilen von einem froſtigen Winde emporgejagt werden, ohne etwas Angenehmeres, als ähnliche graue Schleier, hinter ſich zu zeigen. Der Regen fällt ſchräge herab, und es ſind recht kalte, unbehagliche Tropfen. Die armen Blät⸗ ter ſchaudern zuſammen, laſſen erſtarrt vor Kälte los und flattern zu Tauſenden nieder auf den Boden. Feld und Wald haben nichts An⸗ muthiges mehr, und der Anblick der Straßen der Stadt iſt auch nicht geeignet, ein trauriges Gemüth zu erheitern. Die Leute laufen umher mit rothen Händen und bläulichen Naſen, frierend und ſehr ſchlechten Humors. In dieſer Zwiſchenzeit hat man noch nicht die Winterkleider hervor geſucht; geſtern war es noch zu warm für den dicken Paletot, heute iſt es zu kalt für den dünnen. Und doch iſt man noch nicht durch Eis und Schnee in ſeine Wohnung eingeſchloſſen; man hat, auf das gute Wetter der letzten Tage vertrauend, ſich vorgenommen, heute noch Manches zu beſorgen, und rennt umher mit ſeinem Regenſchirme. 4 Man begegnet andern Regenſchirmen, man ſtößt an ſie hin und ent⸗ 8 ſchuldigt ſich, man wird vom herabtropfenden Waſſer beſpritzt, man erkennt ſeine Freunde nicht, die gekommen ſind, uns aufzuſuchen, und. 4 da man ſo bei einander vorüber rennt, macht man manchen vergeb⸗ lichen Gang. Und wenn es nun anfängt dunkel zu werden, wenn der Regen, wie um dieſe Zeit gewöhnlich, heftiger zu ſtrömen beginnt, wenn die Gaslaternen dunkelroth in eine Nebelmaſſe glühen, dann rettet man ſich ſo gern von dem feuchten Pflaſter zwiſchen die ſchützen⸗