Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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244 Dreiundvierzigſtes Kapitel.

Kindern, bald ein lautes Aufkreiſchen, bald leiſes Wimmer derſelben. 5

Ich bin auf neun Uhr herbeſtellt, ſagte endlich Herr Sträu⸗ ber;jetzt iſt es wenigſtens halb Zehn. Was ſoll ich eigentlich und warum muß ich unnütz warten? Ihr wißt, daß meine Zeit koſtbar iſt. 3

Wir wiſſen das, entgegnete ruhig Meiſter Schwemmer, und da Ihr nichts umſonſt thut, ſo braucht Ihr auch nicht auf⸗ zubegehren.

Aber was ſoll ich denn?

Der Mathias wird gleich herkommen; es iſt wieder ein artiger Transport bei einander, und den ſoll er in den nächſten Tagen fortführen. Ihr wißt, daß wir immer was Schriftliches mit einander machen, und da wir Eure geübte Feder kennen, ſo ſollt Ihr das Nöthige aufſetzen und nebenbei wieder einige Briefe ſchreiben über die Geſundheit und das Wohlergehen der Koſtkinder.

Das Erſtere meinetwegen, verſetzte finſter Herr Sträuber, aber die Briefe zu ſchreiben iſt mir unangenehm; ich lüge nicht gern. Auch muß ich ſagen, daß ich mit jedem Anderen gerner zu thun habe als mit dem Mathias; wir paſſen nicht zu einander.

Das iſt wahr, lachte Frau Bilz,Ihr lebt immer wie Hunde und Katzen mit einander.

Sagen wir lieber, wie Katze und Maus, meinte Meiſter Schwemmer huſtend,denn wenn Ihr den Mathias erblickt, ſo ſeht Ihr Euch gleich nach einem Schlupfwinkel um.

Herr Sträuber wollte etwas Heftiges erwidern, doch hielt er ſich im nächſten Augenblick die Ohren zu, zuckte zuſammen und verzog das Geſicht auf eine höchſt unangenehme Art. Seine zarten Nerven waren durch das erneuerte Kindergeſchrei unangenehm be⸗ rührt worden, das ſich jetzt in den verſchiedenſten Tönen und wahr⸗ haft ohrenzerreißend vernehmen ließ.