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Hehlerei. 243
Meiſter Schwemmer huſtete hierauf gewaltig, dann erhob er ſeinen Knotenſtock und klopfte damit auf ein Blech hinter dem Ofen, worauf eine Weiberſtimme aus dem Nebenzimmer ſogleich fragte: „was gibt's denn?“
„Bring' mir den Probirſtein und die Goldwage.“
Bei dem Schlag auf das Blech war der Herr Sträuber er⸗ ſchrocken zuſammen gefahren. Wahrſcheinlich hatte das Geſpräch von Blut ſeine Nerven irritirt, denn er warf haſtig ſeinen Kopf herum und murmelte alsdann etwas von rohem Volk, von Mangel an Erziehung und Bildung und vom Unglück eines honetten Men⸗ ſchen, der durch Ungunſt der Verhältniſſe gezwungen ſei, unter ſolcher Canaille zu leben.
„Das Gold iſt gut,“ ſagte Meiſter Schwemmer,„ſechszehn⸗ karätig; ich zahle Euch dafür einen Gulden und dreißig Kreuzer; und wahrhaftig nur ſo viel, weil der Blutflecken daran iſt; ſeit ich meinen Bluthuſten habe, macht es mir doppeltes Vergnügen, der⸗ gleichen auch von anderen zu ſehen.— Wollt Ihr einen Gulden und dreißig Kreuzer?“
„Meinetwegen! meinetwegen!“ verſetzte haſtig Herr Sträuber, „obgleich ich den bitterſten Schaden daran habe, denn mich koſten ſie ſechs Gulden.“
Beide Theile ſchienen indeſſen mit dem gemachten Handel wohl zufrieden zu ſein. Herr Sträuber ſtrich ſein Geld ein und Meiſter Schwemmer polirte mit dem rothkarrirten Taſchentuch eifrigſt an den Ohrringen, bis ſie wieder in hellem Glanze ſtrahlten.
Es trat hier eine Pauſe ein, nur zuweilen unterbrochen von einem leiſen Huſten des Mannes am Ofen, oder von einem Ge⸗ klapper im Nebenzimmer, wo das Weib, welches vorhin die Gold⸗ wage gebracht, mit allerlei Keſſeln und Eiſenwaaren herumhan⸗ thierte; dazwiſchen hindurch vernahm man zuweilen, aber aus weiterer Entfernung, das halb unterdrückte Geſchrei von kleinen


