242 Dreiundvierzigſtes Kapitel.
das Weib, warf einen Fünffrankenthaler auf den Tiſch und zog dann das Tuch haſtig an ſich.—„Das ſind vier Kreuzer weniger, das hält uns an einander.“
Bei dieſen Worten breitete ſie das Tuch gegen das Licht aus, und als ſie ſah, daß es vollkommen unverſehrt war, ſteckte ſie es ſchmunzelnd ein. 4
„Braucht Ihr auch Ohrringe?“ fragte Herr Sträuber nach einer kleinen Pauſe, während welcher er aus ſeiner Cigarre mäch⸗
tige Züge gethan.—„Faſt neue goldene Ohrringe.“
„Auch von einer Herzogin?“
„Nein, Herzoginnen tragen nur Brillanten. Doch wie ſolltet Ihr das wiſſen? Dieſe Ohrringe ließ ich für ein Pathchen von mir machen, ſie waren aber etwas zu groß ausgefallen, und nun will der Spitzbub von Juwelier ſie nur für den Goldwerth zurück⸗ nehmen.— Da ſind ſie.“
„Ei!“ rief der Mann am Ofen,„Goldſachen!— Das iſt mein Geſchäft; laßt die Finger davon, Frau Bilz, und begnügt Euch mit Euren Lumpen.— Gebt mir die Ohrringe einmal her.“
„Hier ſind ſie,“ ſagte die Frau; worauf ſie dem Meiſter Schwemmer die Ringe gab.„Aber Euer Pathchen,“ wandte ſie ſich hierauf an Herrn Sträuber,„muß ein recht ungewaſchenes Ding ſein: von einmaligem Anprobiren ſind die Ohrringe ſchon ganz angelaufen!— Da iſt auch ein Blutflecken.“
„Laßt mich aus mit Euren Dummheiten!“ ſchnautzte ſie Herr Sträuber an.—„Blut, Blut! Mit Eurem miſerablen Gewäſch! Ihr wißt wohl, daß ich das nicht leiden kann.“
„Richtig,“ ſprach der Mann am Ofen,„er kann das nicht leiden, kann's auch weder ſehen noch riechen, das hat er bei vielen Veranlaſſungen bewieſen.— Nun, Ihr braucht Euch nicht zu är⸗ gern, es iſt einmal Eure Art ſo, Ihr habt Sympathien für ſchöne Herzoginnen, aber nicht für das Dreinſchlagen.“
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