240 Dreiundvierzigſtes Kapitel.
auf ſeinen Knien hatte er ein rothkarrirtes Schnupftuch ausge⸗ breitet, mit dem er ſich häufig die Naſe putzte und das er oft vor ſeinen Mund hielt, wenn er nämlich anfing zu huſten, was alle Augenblicke geſchah. Es war ein ſchlimmer Huſten, der ihn ſehr zu plagen ſchien; er brachte ihn ganz außer Athem und röthete dann auf Sekunden ſeine tief eingefallenen bleichen Wangen.
Auf dieſen Mann ging Herr Sträuber zu, reichte ihm nach⸗ läſſig ſeine Hand und begrüßte ihn, wobei er aber ſeinen Hut auf dem Kopfe behielt. Jener dagegen nickte ihm lächelnd zu und nahm dann eine Schnupftabaksdoſe, die neben ihm auf einem Tiſche ſtand, öffnete ſie und bot dem eben Eingetretenen eine Priſe. Herr Sträuber nahm einige Körner und that nur ſo, als ſchnupfe er, indem er ſeine Finger leicht hinauf an die Naſe warf, in Wahr⸗ heit aber ließ er den Tabak auf den Boden fallen und ſchnüffelte dazu auf eine unangenehme Art.
„Aber es iſt hier verdammt heiß,“ ſagte er hierauf, während er ſich auf einen Sitz am Fenſter niederließ, ſeinen Hut abnahm und mit dem bewußten feinen Spitzentuch, das er aus der Bruſt⸗ taſche gezogen, ſeine Stirne abtrocknete.
Die Frau neben ihm ſah dieſe Bewegung, und da ſie wohl wiſſen mochte, welcher Art Taſchentücher ſich der Herr Sträuber gewöhnlich zu bedienen pflegte, ſo lächelte ſie verſchmitzt und ſtreckte die Hand nach dem koſtbaren Spitzengewebe aus, indem ſie ſagte:„was ſoll der Lappen koſten?“
„Ich habe Euch den Lappen noch gar nicht angeboten,“ ent⸗ gegnete der Andere, während er Miene machte, das Tuch wieder in eine Bruſttaſche zu ſtecken.„Ihr ſeid ein furchtbar rohes und habgieriges Weib, Frau Bilz; aber ich will Euch verzeihen, da Ihr nicht eine Spur von Bildung genoſſen habt, ſonſt müßte offenbar dies zudringliche Fragen nach Sachen, die Euch durchaus nichts angehen, mit einem ſtolzen Stillſchweigen beantwortet werden.—


