Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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238 Zweiundvierzigſtes Kapitel.

Hier ging er langſamer, zog ruhig ſeinen Frack in die Taille herab, der ihm bei dem raſchen Laufe etwas in die Höhe gerutſcht war, richtete auch ſeine Vatermörder auf und ſchob den Hut wie⸗ der auf die Mitte des Kopfes. Als dies geſchehen, betrachtete er die Straße, wo er ſich befand, und ſchlug dann eine neue Rich⸗ tung ein, die ihn bald in die Nähe des Fuchsbaus brachte. Doch ging er hier vorüber, durchſchritt noch einige kleine Gäßchen und kam ſo in die Nähe der alten Stadtmauer, wo die Hänuſer lichter wurden und hie und da kleine Gärten zwiſchen ihnen zerſtreut lagen. Auf einen der letzteren ſchritt er zu; dieſer war mit einer ziemlich hohen Mauer umgeben und hatte ein kleines Thor, das nur angelehnt war. Er öffnete es, ging zwiſchen den kahlen Gar⸗ tenbeeten einem kleinen und baufällig ausſehenden Hauſe zu, wel⸗ ches eigentlich das Anſehen hatte, als ſei es unbewohnt und werde nur von dem Gartenbeſitzer als Scheune benutzt. Die Fundamente dieſes Hauſes mußten auf einer Seite gewichen ſein, denn es ſtand vollſtändig ſchief und ſah deßwegen ſowie auch, weil ſämmtliche Fenſterladen verſchloſſen waren, recht troſtlos aus. Wenn man es betrachtete, ſo drängte ſich Einem unwillkürlich die Idee auf, es habe ſich dort einmal ein Selbſtmörder aufgeknüpft, und ſei da lange, lange Jahre vergeſſen hängen geblieben.

Dies Haus wurde in ſeinen unteren Theilen auch nur zum Aufbewahren von Stroh und alten Geräthſchaften benützt, oben ſchien nur noch ein einziges Zimmer praktikabel zu ſein, und das war die Wohnung unſeres Bekannten, des Theaterſchneider⸗Gehül⸗ fen Schellinger. Von der Treppe exiſtirten nur noch einige halb⸗ morſche Balken und Bretter, die in ihrer traurigen Geſtalt nur ſehr undeutlich anzeigten, wo es für einen Wagehals möglich ſei, hinauf zu ſteigen.

Herr Sträuber öffnete dieſes Haus, trat hinein und ſchloß die Thüre wieder ſorgfältig hinter ſich zu, dann ſchritt er durch den

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