Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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236 Zweiundvierzigſtes Kapitel.

einen jungen Herrn, der eine Dame am Arm hatte und eifrig be⸗ müht war, derſelben die Schönheit irgend eines großen Blattes zu erklären. Die Dame trug einen mit Pelz beſetzten Sammet⸗ mantel und einen grauen Muff, aus welchem ein zierlich geſticktes Sacktuch hervor ſah.

Herr Sträuber, der voll Enthuſiasmus für eine büßende Mag⸗ dalene zu ſein ſchien, die ſich in Kupferſtich ebenfalls an dem Fen⸗ ſter befand, drängte ſich, dabei ſehr um Entſchuldigung bittend, zwiſchen die junge Dame und einen dicken Herrn, der auf der an⸗

deren Seite ſtand, worauf denn auch geſchah, was er ſich gedacht: die Dame in ihrer Artigkeit, wahrſcheinlich befürchtend, mit ihrem vorgehaltenen Muff zu viel Platz für ſich wegzunehmen, zog die rechte Hand heraus und nahm ihn leicht in die linke, worauf ſich Herr Sträuber augenblicklich tief herabbückte, um am Kupferſtich der büßenden Magdalene den Namen des Künſtlers, der das Blatt, geſtochen, leſen zu können, zu gleicher Zeit aber auch, um durch einen unbemerkbaren Ruck das reichgeſtickte Taſchentuch an ſich zu bringen, worauf er nichts Eiligeres zu thun hatte, als, ſich zurück⸗ ziehend, dem Gedränge zu entſchlüpfen und mit möglichſter Schnel⸗ ligkeit in einen benachbarten Laden zu treten, wo er ſich von dem gefundenen Gelde eine neue Cigarre kaufte.

Er zündete dieſe mit äußerſter Langſamkeit an, dann fragte er nach dem Preiſe verſchiedener Artikel, ließ ſich auch einige Sorten feinen Taback vorlegen, ſprach über dies und das mit dem einfältig ausſehenden Ladendiener, und als er, faſt eine Viertelſtunde nach⸗ her, den Laden verließ und wieder auf die Straße trat, er hatte natürlicher Weiſe vorher aufs Sorgfältigſte nach dem Bil⸗ derladen hinüber geſpäht, fand er zu ſeinem größten Erſtaunen, daß ſich ein ganzes Paket Cigarren zufällig unter die Schöße ſeines Rocks verirrt hatte und nun freiwillig mitgegangen war. Er hielt