Spaziergänge des Herrn Sträuber. 235
benem Kopfe in eine der breiteren Straßen ein, die hier anfingen; die Frau dagegen verlor ſich in eine Seitengaſſe.
Er ſchritt mit ruhiger Behaglichkeit weiter, ſchaute rechts und links an die Häuſer, blieb hier vor einem Laden ſtehen, betrachtete dort einen Augenblick die Leute, welche in's Kaffeehaus gingen oder heraus kamen, und gewann darauf immer wieder die Mitte der Straße, namentlich wo andere Gaſſen ſeinen Weg kreuzten. Da blieb er auch wohl einen Augenblick ſtehen, ſah ſich forſchend nach allen Seiten um und veränderte hierauf nicht ſelten ſeine Richtung.
So that er auch jetzt wieder und ſchoß mit großer Geſchwin⸗ digkeit in eine Seitenſtraße, wobei er den Blick nicht von einer Stelle auf dem Pflaſter verwandte. Als er ſie erreicht, ſchaute er um ſich her, bückte ſich und griff etwas vom Boden auf, das er hierauf lächelnd in ſeine Taſche ſteckte. Es war ein kleines Por⸗ temonnai, das Jemand da verloren haben mußte. Und ſo war es auch, denn kaum hatte Herr Sträuber einige Schritte weiter gethan, ſo ſtürzte aus einem Hauſe ein junges Mädchen heraus, die ſich überall auf dem Boden umſah, und dann auch den im ſchwarzen Frack im Vorübergehen fragte, ob er nicht Etwas gefun⸗ den, worauf dieſer begreiflicher Weiſe die Auhſeln zuckte und be⸗ dauernd verneinte.
„Das iſt kein ſchlechter Anfang,“ ſprach er zu ſich ſelber, als er wieder in eine belebtere Straße eingebogen war,„und da uns der Zufall ſo günſtig iſt, ſo könnte auch am Ende mit leichter Hand⸗ arbeit Etwas zu verdienen ſein.“
So denkend, ſtellte ſich Herr Sträuber wenige Augenblicke nachher vor einen großen Bilderladen, vor dem ſich ſchon eine Menge Perſonen befanden, und ſchien ſich angelegentlich die Kupfer⸗ ſtiche und Lithographien zu betrachten, in Wahrheit aber erforſchte er genau die Phyſiognomien ſeiner Nachbarſchaft, und mochte end⸗ lich ſeinen Mann gefunden haben, denn er ſchob ſich leiſe hinter


