Spaziergänge des Herrn Sträuber. 233
ſich vorgenommen hat, dabei ſehr herablaſſend zu thun. Zuweilen blieb er auch ſtehen, ſtemmte beide Arme in die Seite und hob ſeine Naſe gewaltig hoch empor, und dann ſtellte ſich die Frau vor ihn hin, ſprach eifrig mit ihm, und je ärger ſie mit den Händen geſtikulirte, deſto ruhiger und würdevoller ſah er auf ſie herab; dann erfolgte ein abermaliges ernſtes Kopfnicken und ſie zogen weiter.
Als ſie ſo an die Barrière kamen, wo geſtern Nacht der Herr Beil geſtanden und wo jetzt die Wäſcherinnen lachten und plätſcher⸗ ten, verſuchte es Herr Sträuber, einen großen Bogen zu machen, um nicht zu nah bei dieſen Damen vorbei zu müſſen. Die Bauers⸗ frau achtete aber nicht darauf, daß ſie in dieſem Augenblicke be⸗ ſonders lebhaft erzählte, ſondern ſie ging ſo hart an der Schranke vorbei, daß ſie im Eifer ihres Vortrags zuweilen ihre Hand auf dieſelbe legte und den darauf gefallenen Reifen herab wiſchte, daß er ſprühend auf die Erde fiel.
„Bſt! bſt!“ machte eines der Waſchweiber, als die Beiden näher kamen, mit leiſer Stimme zu den andern,„ſchaut euch den an, der da kommt, das iſt ein Seelenverkäufer, ein Sklaven⸗ händler.“
„Ei der Tauſend!“ meinte eine Andere, die ſehr ſtämmig aus⸗ ſah,„ſollen wir ihn nicht ein wenig unter die ſchmutzige Wäſche tauchen und ſauber waſchen ²
„Das wäre vergebliche Mühe,“ entgegnete die Erſte;„wenn man den hundert Jahre in den Kanal verſenkte, ſo käm' er doch wieder ſchwarz wie eine Kohle an Leib und Seele heraus.“
Die Bauersfrau, die dieſe Worte gehört, ging abſichtlich lang⸗ ſam und zuckte verächtlich mit den Achſeln. Ihr Begleiter dagegen machte einige lange Schritte, eilte ihr voraus, und als ſie ihn in kurzer Zeit darauf wieder eingeholt, ſpuckte er ingrimmig aus und ſagte:„dieſe Beſtien!“


