Spaziergänge des Herrn Sträuber. 231
und Alles friſch und blank gefegt für eine blitzende Winterſonne, die, wenn auch in dieſem Monat ſpät, doch klar und freundlich aufging.— Wie ſah in ihrem Lichte Alles ſo ganz anders aus, als geſtern im Schatten der Nacht! Da war der Kanal, da die Barrièren, an welchen Herr Beil jene Geſtalt geſehen, die ihn glück⸗ licher Weiſe von ſeinem traurigen Vorhaben abgebracht; aber heute Morgen hatte das Alles durchaus nichts Unheimliches, und wenn jetzt auch noch ſo viele Weſen in ſchwarzen Mänteln und mit noch blitzenderen Augen dort gelehnt hätten, es würde ſich Niemand weiter um ſie bekümmert haben.
Auf dem Waſſer des Kanals lag ein heller, freundlicher Schein; ſeine Ufer hatten ſich mit Reif bedeckt, auf welchem die Sonnen⸗ ſtrahlen zahlloſe Brillanten hervorzauberten. Die kahlen Aeſte der Bäume waren auf einer Seite wie vergoldet, während die andere eine bläulich unbeſtimmte Farbe hatte. Auch die Barrisre war hell angeſtrahlt und warf einen koketten Schatten auf den Weg, der an ihr vorüber führte. Die einzelnen Häuſer, die in der geſtri⸗ gen Nacht ſo ſehr entfernt zu ſtehen ſchienen,— denn man ſah durch Dunkelheit und Nebel kaum ihre Umriſſe,— waren jetzt im hellen Lichte näher gekommen und ſtanden friſch und wohlgemuth da mit ihren glänzenden Fenſterſcheiben, mit den ſpitzen rothen Dächern, die wie eine Morgenmütze ausſahen, und an deren Spitze der hellblaue Rauch empor wirbelte,— eine luſtig aufgeſteckte Feder.
Auch an mannigfaltiger Staffage fehlte es nicht: kleine Buben ſprangen ſich ſcheu umſehend und eilfertig dem Waſſer zu, um nachzuſchauen, ob nicht bald für eine ſolide Eisdecke Hoffnung ſei; Hunde aller Racen machten ihren Morgenſpaziergang und trieben ſich namentlich in der Nähe der Barrisre herum, an der ſie jeden Pfuhl beſchnüffelten und hierauf zarte Erinnerungszeichen zurück⸗ ließen; Weiber mit großen Körben voll Wäſche auf dem Kopfe drängten ſich an die Treppen, die zum Kanal hinab führten, und


