Am Kanal. 229
Sterben war; er mußte dabei alle Launen des Prinzipals ertragen und er that das wohlgemuth, bis jene beiden Kinder in das Haus kamen, bis ihm Marie erſchien, bis ſein Herz durch die Liebe zu ihr ſo namenlos unglücklich wurde.
Als er in ſeiner Erzählung an dieſe letzte Zeit ſeines Lebens kam, zitterte ſeien Stimme und die Thränen tropften ihm langſam aus den Augen. Er ſchilderte mit glühenden Farben ſeine Liebe zu dem Mädchen und die thörichten Hoffnungen, die er genährt,— Hoffnungen, die er aber gern unterdrückt hätte, wenn ſie glücklich geworden wäre. Nun aber kamen jene Vorfälle, und davon ſprach er dem Phantome gegenüber mit fieberhafter Haſt; es drängte ihn, über dieſe ſchreckliche Stunden hinüber zu kommen: er erzählte von dem vergangenen Abend, von ſeiner Unterredung mit ihr, von ſei⸗ nem feſten Entſchluſſe, das Leben endigen zu wollen, von ſeinem Gange durch die dunkeln Straßen, von ſeiner Ankunft hier am Kanale und ſogar von der Melodie, die ihm das Waſſer vorgeſun⸗ gen, von dem alten Wiegenliede— ſchlafen— ſchlafen— Ruhe.—
„Und nun bin ich fertig,“ ſagte er, als er geendet;„aber die Ruhe, mit der ich hieher ging, iſt aus meinem Herzen verſchwun⸗ den. Ich war nicht mehr unglücklich, jetzt bin ich es wieder, o namenlos, namenlos unglücklich!— Und nun ſprecht nach eurer Ue⸗ berzeugung: bin ich thöricht oder bin ich es nicht?“
Bei dieſen letzten Worten ſchlug er die Hände vor's Geſicht und beugte den Kopf tief hinab auf das Geländer.
Einige Augenblicke hörte er nichts als das Rauſchen des Waſſers, dann aber vernahm er die Stimme des ſeltſamen Weſens neben ihm; und dieſe Stimme, bis jetzt hart und ſcharf, klang nun weich und milde.„Ich habe deine Geſchichte angehört,“ ſagte es „und muß geſtehen, daß allerdings viel Unglück darin vorkommt, aber nicht genug, daß ich dir, wie wir bedungen, mit einem Worte die Erlaubniß geben dürfte, dein Leben zu endigen. Denk daran,


