Einundvierzigſtes Kapitel.
und ich will dir nachher meine offenherzige Meinung ſagen, wie groß deine Narrheit eigentlich iſt.“
„Und wenn du meine Narrheit, wie du es nennſt, alsdann nicht übermäßig groß findeſt,“ entgegnete Herr Beil,„willſt du dann ruhig deiner Wege gehen und mich meinem Schickſal über⸗ laſſen?“.
„ Das iſt eine Bedingung,“ verſetzte nun wirklich lachend das Geſpenſt,„und wenn ich ſie eingehe, ſo kann ich das nur thun, indem ich dir ebenfalls eine ſtelle.“
„So laß' hören!“
„Wenn ich zugebe, daß deine Narrheit klein iſt, ſo will ich mir alſo das Vergnügen verſagen, dich in den Kanal ſpringen zu ſehen; iſt aber deine Narrheit groß, ſo ſchiebſt du dein Vorhaben auf, bis— wir uns wieder geſehen.“
„Es gilt,“ ſprach Herr Beil nach längerem Ueberlegen.
Und darauf wandte er ſich, obwohl zögernd, gegen die ſonderbare Geſtalt, die wieder unbeweglich wie vorher an dem Geländer lehnte, und erzählte mit geflügelten Worten ſeinen traurigen Lebenslauf, wie er ſchon als Kind mit ſeiner ſchwächlichen, halbverwachſenen Geſtalt der Spielball aller Launen ſeiner Kameraden geweſen, wie ſeine Eltern ihn nicht geliebt, ſondern den andern Geſchwiſtern zurückgeſetzt, und wie bei all' den Kränkungen, die er erduldet, das Schlimmſte geweſen ſei, daß er ein weiches, fühlendes Herz erhal⸗ ten, das alle Menſchen mit inniger Liebe umfaßt, und das nun doppelt ſchmerzlich empfunden, wie man ihn überall zurückgeſtoßen. — Seine Leiden vermehrten ſich mit den Jahren, man brachte ihn mit großer Mühe als Lehrling unter, und als er ausgelernt hatte, fand ſich lange keine Stelle für ihn, er mußte Jahre lang in ſei⸗ nem Geſchäfte die niedrigſten Arbeiten verſehen, und als er endlich die Stelle erhielt, in der wir ihn kennen gelernt, mußte er ſich mit einem Gehalt begnügen, der zu wenig zum Leben, zu viel zum


