226 Einundvierzigſtes Kapitel.
geſprochen, möchte ich wohl wiſſen, unter welchen Bedingungen du den Selbſtmord entſchuldigen würdeſt.“
„Nun meinetwegen,“ ſagte die Geſtalt, indem ſie ſich wieder etwas empor richtete;„man ſolle einem Sterbenden keine Bitte abſchlagen, und da du ein ſolcher biſt, ſo will ich dir meine An⸗ ſicht mittheilen.— Das Verbrechen, von dem wir eben ſprachen, könnte ich, wie geſagt, nur in einem einzigen Falle entſchuldigen. Das wäre nämlich, wenn ein Selbſtmörder wieder in's Leben zu⸗ rückgerufen würde und er dann von Neuem Hand an ſich legte, um ſo dem Schlimmſten, was einen Menſchen treffen kann, dem allgemeinen Hohne, der allgemeinen und verdienten Verachtung zu entgehen.“
„Dem Hohne und der Verachtung!“ verſetzte der Andere, und ſeine Zähne klapperten auf einander.—„Aber nein, nein!“ rief er nach einer Pauſe leidenſchaftlich,„ich weiß, wer du biſt, du biſt der Teufel! du willſt mich von meinem Glücke zurückhalten, um die Luſt zu haben, mich noch Jahre lang quälen zu können.“
Nach dieſen Worten lachte das Phantom laut auf, aber es war ein gellendes, unheimliches Gelächter.—„Nein, nein,“ ſagte es,„ich bin nicht der Teufel,— vielleicht mit ihm verwandt; die trüben Leidenſchaften, die ſich deines Gehirns bemeiſtert haben, laſſen dich völlig unklar denken; wenn ich der Teufel nach euren Begriffen wäre, ſo müßte ich an deinem Schritt meine Freude ha⸗ ben, denn deine Seele wäre mir gewiß und ich bekäme ſie bald.— Aber beruhige dich: für euch Selbſtmörder gibt es weder Teufel noch Engel, weder Belohnung noch Strafe, und das iſt gerade eure Strafe; mit dem Sprung in's Waſſer laßt ihr all' eure Hoffnung hinter euch, dieſſeits könnt ihr nicht mehr Buße thun, um ein ewi⸗ ges Leben, an das wir ja Alle glauben wollen, zu erringen. Denn ein ewiges Leben, wenn auch voll Noth und Qual, aber doch mit


