224 Einundvierzigſtes Kapitel.
Es trat eine peinliche Pauſe ein, während welcher die Augen immerfort herüber blickten und Herr Beil abermals einen halben Schritt auf die Seite wich.
Endlich machte die Geſtalt eine kleine Bewegung, ſie richtete ſich etwas in die Höhe, man bemerkte, wie ſie mit großer Ruhe unter dem Mantel die Arme über einander ſchlug. Dann ſprach ſie mit einer tiefen klangvollen Stimme ein einziges Wort, aber dies Wort, an ſich unbedeutend, durchzuckte den Körper des Anderen auf eine ſehr unangenehme Art.
Die Geſtalt ſagte nämlich wie Jemand, der lange verdeblich gewartet, mit fragendem Tone:„Nun— 2“
„Nun,“ wiederholte Herr Beil, indem er ſcheu auf die Seite blickte.—„Nun?— Was nun?“
„Ich meine, ob es bald vor ſich geht,“ erwiderte das ſeltſame Weſen;„ich habe jetzt ſchon lange genug darauf gewartet.“
„Und was ſoll vor ſich gehen?“ fragte ſchaudernd der An⸗ dere mit kleinlauter Stimme.„Ich glaube nicht, daß ich Jemand hieher gerufen, um zuzuſchauen, was hier vielleicht geſchehen könnte.“
„Gewiß nicht,“ ſagte die Geſtalt,„ich bin nicht mit Worten gerufen worden, aber es zog mich auf eigenthümliche Weiſe daher, und da ich nun einmal da bin, möchte ich nicht lange mehr ver⸗ geblich warten; die Sache könnte wohl vor ſich gehen, das Vorſpiel war lange genug.“
„Und wer biſt du?“ fragte Herr Beil mit geſteigertem Entſetzen, „daß es dir ein teufliſches Vergnügen macht, zuzuſchauen, wie ein unglücklicher Menſch, dem das Daſein zur Laſt wurde, ſeinem trau⸗ rigen Leben ein Ende macht?“
„Wer ich bin, thut nichts zur Sache,“ entgegnete die Geſtalt: „vielleicht bin ich der Schutzengel der Selbſtmörder und habe die Macht, ihnen ein ſanftes Ende zu geben, vielleicht bin ich auch


