Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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8 Am Kanal. 223

und unverhofft beobachtet zu werden. Seine Seele war noch we⸗ nige Momente vorher trotz ſeines ſchrecklichen Vorhabens ſo ruhig geweſen, und jetzt fühlte er mit einem Male ſein Herz heftiger ſchla⸗ gen; eine unerklärliche Furcht bemächtigte ſich ſeiner, bannte ihn feſt und zwang ihn ſogar, fortwährend die beiden leuchtenden Augen zu betrachten, die ihn bewegungslos anſtarrten.

Wußte die unheimliche Geſtalt, was ihn hieher getrieben, hatte ſie ſein Inneres ergründet, konnte es wohl ein menſch⸗

liches Weſen ſein, was ſo unbeweglich da lehnte, und, wie es ſchien,

auf den Moment begierig war, wo er als Selbſtmörder enden würde?

Er wich unwillkürlich einen Schritt auf die Seite, hielt aber das Geländer mit beiden Händen feſt, und er vermochte es nicht, den Blick von dem Weſen neben ihm abzuwenden. Seine uner⸗ klärliche Angſt vor dieſer Geſellſchaft vergrößerte ſich immer mehr, und es iſt unbegreiflich aber wahr: er, der einen Augenblick vorher den Tod geſucht, fürchtete ſich jetzt, dieſem Weſen den Rücken zu kehren, indem er dachte, es könnte vielleicht unvermuthet über ihn herfallen und ihn in den Kanal hinabſtürzen.

Aber es blieb ruhig an ſeiner Stelle; nichts regte ſich an ihm; nur blickten die geſpenſtigen Augen immer herüber.

Was ſollte er thun? Er hatte ſich mit dem Gedanken an den Tod vertraut gemacht, doch wollte er endigen in ſtiller, verſchwie⸗ gener Nacht, aber nicht indem er einen ſo ſonderbaren Zuſchauer hinter ſeinem Rücken laſſe, der Gott weiß was beginnen möchte, ſobald er in den Kanal geſprungen.

Und das konnte ihm am Ende doch gleichgültig ſein! Aber es war ihm nicht gleichgültig; er hätte nicht ruhig ſterben können bei dem Gedanken, dieſe ſeltſamen Augen würden jetzt nach ihm ſchauen, während er unterſinke, und das Weſen ſelbſt eine laute Lache aufſchlagen, ſobald ihn die Fluthen verſchlungen.