220 Einundvierzigſtes Kapitel.
da unten, flüſterten ſie,— angenehme behagliche Ruhe;— komm und folge uns.—
Er beugte ſich tief auf das Waſſer hinab und dachte auf ein⸗ mal klar und hell an ſeine Jugendzeit, wo er ſich oftmals im Strome gebadet bei einer Stelle, die beſonders reißend war, wo tückiſche Wirbel Alles in die Tiefe zogen, was er damals als rüſtiger Schwimmer nicht beachtet. Aber eines Tags, als er auch wieder ſo keck hinein ſprang, ſchien ſich der Flußgott über dieſe Verwegenheit zu erzürnen und hielt ihn drunten beim Fuße feſt,— das war in der That ſeine erſte ſchreckliche Idee, als er ſich unten gehalten fühlte: in Wahrheit aber war er mit dem Fuße in eine Faſchine gerathen und konnte nicht wieder los kommen. Die Se⸗ kunden, welche er ſich da unten bemüht hatte, den Fuß loszureißen, ſchienen ihm lange, lange Jahre zu ſein, als er aber fühlte, daß es nicht ging, ergab er ſich ruhig in ſein Schickſal, öffnete weit die Augen und ſah tief unten im grünen Waſſer mit Verwunde⸗ rung, wie ſo ſeltſam das Sonnenlicht auf der Oberfläche ſich ſpiegelte und ſtrahlte, wie der ganze Fluß einem hellgrünen Kryſtallgewölbe glich, auf dem ſich tauſendfache Strahlen brachen,— einem Feenpallaſt mit unſichtbarer, ſeltſam klingender Muſik, denn auch hier ſummten und rauſchten ihm die Waſſer in den Ohren und tönten jenes bekannte Lied; nur ward es ſchwächer und immer ſchwächer, vielmehr wurde die Melodie zerriſſen und unverſtänd⸗ lich, obgleich die unſichtbaren Sänger immer näher zu kommen ſchienen, bis ſie zuletzt dicht ſein Haupt umringten und ihn be⸗ täubten mit wilden Tönen, mit Sauſen, Rauſchen und Klingen; in ganz leiſer Weiſe und doch ſo eindringlich und verſtändlich.— Und darauf war er todt, geſtorben ohne Schmerz und Klage,— ſo glaubte man wenigſtens damals, in Wirklichkeit aber brachte den Ohnmächtigen ein tüchtiger Taucher an die Oberfläche und ſomit in'’s Leben zurück.—


