Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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Am Kanal. 219

nen, ehe man bemerken konnte, wie ſich der Waſſerſtrom zwiſchen den engen Ufern dahin bewegte, oder man mußte abwarten, bis droben am Himmel die fliegenden Wolken zuweilen ein Stück des Mondes oder ein paar Sterne entſchleierten, deren Licht alsdann auf das trübe Waſſer fiel und es auf Augenblicke erhellte. Das Ohr vernahm ſchon deutlicher das feindſelige Element drunten, denn wie dieſes bei den Ufermauern vorbeifloß, ſchliff es in aller⸗ hand Tönen gegen die Steine derſelben, rauſchte in einer unfernen Ecke, und gluckste dort, Wirbel bildend, als lechze es nach irgend einer Beute..

Lange ſchante Herr Beil ſo hinab auf den Kanal, und immer folgten ſeine Blicke dem Laufe des Waſſers. Es war ihm gerade, als winke es ihm zu folgen, und nachdem er ſo eine Zeit lang träumend geſtanden, hatte er alle Schauer vor einem kalten naſſen Tode überwunden und fühlte eine wahre Sehnſucht, den flüſtern⸗ den Waſſern zu folgen. Anfangs rauſchte das eintönig an ſeinem Ohr vorüber; nach und nach aber kam ein gewiſſer Takt und eine Melodie hinein, eine einfache, kindliche Melodie, welche die Flu⸗ then mit leiſem Tone immer und immer fort zu ſingen ſchienen. Er hatte ſie ſchon oft gehört, dieſe Weiſe, und wie er nun die Hand vor die Stirne legte und darüber nachdachte, ſo fiel ihm ein, es ſei ja nichts Anderes, als das Wiegenlied, mit welchem ihn die früh verſtorbeue Mutter ſo oft in den Schlaf geſungen.

Richtig! Das war es; es waren dieſelben weichen, ſchläfrigen Töne, und als er wieder eine Zeit lang hinab gelauſcht, da meinte er auch Worte zu vernehmen; nur waren ſie anders als die, welche damals zum Wiegenlied geſungen wurden. Die hier erzähl⸗ ten von einem hellen lichten Tage, dem ſie aus der finſteren Nacht entgegen fließen, und von lachenden Gefilden, mit Blüthen und Früchten bedeckt, fo unendlich verſchieden von dem kalten, ſchmutzi⸗ gen Lande, das jetzt ihre Ufer bildete.— Und Ruhe, Nuhe gibt's