216 Vierzigſtes Kapitel.
in lautes und freudiges Ja geantwortet.— Doch genug der Worte; ich komme, um Abſchied zu nehmen.“
„So verlaſſen Sie wirklich dies Haus?“ fragte erſchrocken das Mädchen.
„Heute freiwillig,“ entgegnete 15„morgen würde mich der Herr Blaffer vor die Thüre werfen.“
„Und mein Bruder, der ſo ſehr an Ihnen hing—
„Hat jetzt den Schutz der Schweſter, die allmächtig im Hauſe iſt,“ entgegnete er mit Bitterkeit.—„Doch will ich an Alles das nicht mehr denken,“ fuhr er gleich darauf fort, indem er ſich mit der Hand über die Augen wiſchte;„ich will Sie nur ſehen, Marie, wie Sie waren, als ich zu Ihnen, einer himmliſchen Erſcheinung, aufgeblickt, will es nicht wiſſen, daß dies herrliche Bild von ſchmutziger Hand zerſtört wurde, will nur einmal und zum erſten Mal vor Sie hinknien, Ihre beiden Hände ergreifen und ſie an meine Lippen drücken.“
Bei dieſen Worten hatte er ſich zu ihren Füßen niedergewor⸗ fen, hatte wirklich ihre beiden Hände ergriffen, und während er ſie in ſeinen ſchwarzen Bart drückte, träufelten ſeine heißen Thränen darauf hin.—„So leben Sie wohl, Marie,“ ſagte er,„möge es Ihnen beſſer gehen als bisher; gedenken Sie meiner zuweilen, und wenn Sie noch von vollem Herzen beten können, ſo nennen Sie auch meinen Namen, wenn Sie ſich nach oben um Erbarmen wenden.“
Damit wollte er ſich erheben, doch faßte das Mädchen mit ihren beiden Händen krampfhaft ſeine Arme und verſuchte es, ihn feſtzuhalten; er dagegen wandte alle Kraft an, ſich los zu machen, und wie ſie ſo mit einander rangen, zog er ſie empor, da er der Stärkere war; doch ließ ſie ihn darum nicht los, ſie ſchlang ihre Arme um ſeine Schultern, indem ſie ausrief:„gehen Sie nicht ſo


