Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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Ein Abſchied. 215

geöffnet. Und auf dieſer weißen vollen Schulter ſah man ver⸗ dächtige dunkle blaue Flecken.—„Das war die letzte Unterredung,“ ſagte ſie mit einem matten Lächeln.

„Sehr triftig und überzeugend,“ erwiderte er;„aber ehe es ſo weit kam, hätte man noch etwas Anderes thun können.“

„Und was denn?“ fragte ſie, wobei ihr Auge aufflammte.

„Man hätte zum Beiſpiel ins Waſſer ſpringen können.“

„Ach ja!“ entgegnete ſie mit einem tiefen, ſchneidenden Wehe⸗ laute.—„Ach ja, ich habe das auch gedacht, aber ich hatte nicht den Muth dazu.“

„Das iſt freilich etwas Anderes,“ verſetzte er ſcheinbar ganz ruhig.„Sie hatten Angſt, Marie, weil Sie ſich fürchteten, dieſen unbekannten Weg allein zu machen.— Aber ich wäre mit Ihnen gegangen, o, ſo gerne wäre ich mit Ihnen gegangen.“

„Mit mir in den Tod?“

„Mit Ihnen in den Tod.— Und wenn wir zuſammen in das Waſſer geſprungen wären, ſo hätte ich nur Eine Bitte gehabt; Sie hätten mich dann nur bei der Hand feſthalten müſſen und ſagen: ich danke Ihnen herzlich, daß Sie mich nicht allein ließen, Sie, mein einziger und treuer Begleiter.— Ein ſo inniger Dank von Ihnen, wenn auch im letzten Augenblick, hätte mich glücklich ge⸗ macht.— Und dann ſchon die Wonne, mit Ihnen ſterben zu dür⸗ fen!— Wiſſen Sie wohl,“ fügte er ſeltſam lächelnd hinzu,„daß ich an einen ſolchen gemeinſchaftlichen Tod die ausſchweifendſten Hoffnungen knüpfte?— Daß ich in meiner jetzigen Geſtalt wohl nicht geliebt werden kann,“ ſprach er, indem er an ſeinem ſeltſam geformten Körper hinab ſah,„weiß ich ſelbſt wohl am Beſten; aber man läßt ja alles das hier zurück, und wenn wir Beide ſo zuſammen hinauf geſchwebt wären, wer weiß, Marie, ob Sie nicht ruhig Ihre Hand in der meinigen gelaſſen hätten und ob Sie nicht vielleicht auf die Frage: willſt du mit dieſer Seele vereint bleiben?