Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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214 Vierzigſtes Kapitel.

wohl ein wenig, doch faßte ſie ſich gleich wieder, als ſie ſah, daß es Herr Beil war, der nun langſam in ihr Zimmer trat.

Wenn auch zwiſchen dieſen beiden Leuten nie ein Verhältniß geherrſcht, das mit gegenſeitiger Liebe etwas zu thun hatte,— obgleich wir wohl wiſſen, wie er das Mädchen anbetete,— ſo be⸗ ſtand doch zwiſchen ihnen jener Grad von Vertraulichkeit, der ihnen erlaubte, ihre Geheimniſſe einander anzuvertrauen und ohne Scheu über die ſeltſamſten Dinge ſprechen zu können.

Als der junge Mann nun aber einige Schritte vortrat, erſchrak

ſie mehr als bei ſeinem erſten Anblick, denn ſein Ausſehen war fürchterlich, ſeine ſonſt ſo ruhigen Züge entſtellt, ſeine Augen roth unterlaufen, ſeine Blicke glühend. Sie machte eine Bewegung, als wollte ſie aufſpringen und das Zimmer verlaſſen, doch als er ſich hierauf langſam in eine Ecke zurückzog und ihr die Hände wie be⸗ ſchwörend entgegen ſtreckte, auch ſie bittend, ja flehend anſah, da ſank ſie wieder auf das Bett zurück, preßte die Hände vor das Ge⸗ ſicht und weinte laut und bitterlich.

„Ja, ja,“ ſagte er nach einer ſchrecklichen Pauſe,„es mußte am Ende ſo kommen.“

„Ja, es mußte ſo kommen,“ erwiderte das Mädchen mit ton⸗ loſer Stimme.

„Und es kam ſo.“

„Ja, es kam ſo.“

„Und ſonſt keine Hülfe und Rettung?“

„Keine! keine!“

„Aber ich hätte doch noch ein wenig widerſtrebt,“ ſprach er mit einem ſchrecklichen Lächeln und einem eiſigen Tone.„Man muß nicht ſo gleich nachgeben.“

Statt aller Antwort entblößte das Mädchen ruhig und ſchwei⸗ gend, in dieſem Moment, wie es ſchien, ohne alle Scheu, ihre linke Schulter, nachdem ſie das weiße Nachtkleid vorher auf der Bruſt