212 Vierzigſtes Kapitel.
ſchaftlich einen Kuß auf ſeine Stirne und eilte zu der Kammer
hinaus.
An der Treppe blieb er tief athmend und lauſchend ſtehen, und ſchlich alsdann Stufe um Stufe hinab.
Das Haus lag ruhig und ſtill da; man hörte keinen Laut, als von oben herab das Heulen des Windes und von unten das Picken einer Uhr in der Küche.
So kam er langſam in den zweiten Stock, und war ſchon die halbe Treppe zum erſten hinabgeſtiegen, als er auf einmal den
„vorgeſtreckten Fuß wieder zurückzog und ſich feſt an die Wand drückte, um nicht geſehen zu werden, denn es öffnete ſich unten in dieſem Augenblick eine Thüre und Jemand kam mit einem Lichte heraus und ſchritt über den Gang daher, um in die Zimmer zu gelangen, welche hinten nach dem Hofe hinaus lagen, wo der Prin⸗ zipal wohnte.— Er war es ſelbſt, er kehrte aus den vorderen Zimmern zurück, und da er die rechte Hand vor das Licht hielt, ſo warf daſſelbe glücklicher Weiſe keinen Schein auf die Treppe zum zweiten Stock, wohl aber beleuchtete es ſeine Züge aufs hellſte und ließ ſie deutlich erkennen.
Das Geſicht des Herrn Blaffer war immer das gleiche unan⸗ genehme und hagere; nur hatte er jetzt ſeinen Mund lächelnd ge⸗ öffnet, ſeine Augen ſtrahlten heiter und zufrieden, und in allen ſei⸗ nen Mienen ſprach ſich eine gewiſſe Befriedigung aus. Seine Hal⸗ tung und ſein Gang dagegen war ebenſo ſchlaff wie früher; er hatte die Knie gebogen und ſchlürfte auf ſeinen weiten Pantoffeln über den Gang, beinahe ohne die Füße aufzuheben. Als er an die Thüre ſeines Schlafzimmers kam, nahm er langſam einen Schlüſſel aus der Taſche ſeines langen Rockes, ſchloß auf, trat in das Zimmer und machte die Thüre wieder hinter ſich zu.
Der Andere ſtand während dieſer Zeit regungslos auf der Treppe, und wenn er ſich auch im tiefen Schatten befand, ſo war
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