Ein Abſchied. 211
und hat über ſich die ſchönſten Terraſſen, bedeckt mit Grün und blühenden Blumen.— Aber jetzt genng der Faſeleien: die Zeit verrinnt; leben Sie wohl, theurer Antonius.“
Der junge Menſch nahm mit ſeinen beiden Händen traurig die dargebotene Rechte und ſagte mit wehmüthiger Stimme:„leider weiß ich wohl, daß, wenn Sie einmal einen Entſchluß gefaßt ha⸗ ben, es ganz unmöglich iſt, Sie davon abzubringen. Aber Sie hätten wohl das Haus morgen Früh verlaſſen können; wer weiß, es hätte ſich doch vielleicht noch Manches beſſer gemacht.“
„Das iſt Alles vorbei, vorbei!“ rief der Andere aus, während er ſeine Rechte an ſich zog und darauf beide Hände auf die Schul⸗ tern des jungen Menſchen legte.„Es iſt vorbei, Auguſt, voll⸗ kommen vorbei; machen Sie mir doch eine Roſe wieder, die der Sturm zerblättert, oder ein Spiegelglas, das zerſchlagen; jene wird Sie nie mehr durch ihren Geruch entzücken, die Stücke des letzteren werden Ihnen nur verzerrte Bilder entgegen werfen.— Ja, es muß geſchieden ſein.“
Darauf hin zog er den Lehrling einen Augenblick an ſich, hob ihm das Geſicht empor, und wie er in die blaſſen und noch ſo ganz kindlichen Züge ſah, füllten ſich ſeine Augen abermals mit Thränen.—„Du ſiehſt ihr doch ſehr ähnlich, Auguſt,“ ſagte er nach einer kleinen Pauſe,„erſchrecklich ähnlich, nur daß ſie dunklere Augen hat und einen kleineren Mund.— O, dieſe Augen und die⸗ ſer Mund! Wenn ich daran denke, ſo ſehe ich auf allen Seiten die wahnſinnigſten Bilder auftauchen.— Bei Gott im Himmel!“ ſprach er mit tiefem, klagendem Tone, während er ſeine Hände ſchlaff herabſinken ließ,„ich kann nicht mehr da bleiben, und wenn du ſelbſt einen Engel herab ſenden würdeſt, um mich zu tröſten. Was wäre mir ein Engel in Reinheit und Tugend gegen ihre Schönheit in Laſter und Sünde!— Fort!— fort!“
Damit riß er nochmals den Knaben an ſich, drückte leiden⸗


