210 Vierzigſtes Kapitel. allerdings meinem Herzen Manches erſpart, wenn ich früher heim⸗ gegangen wäre, vielleicht ganz früh, als ich noch ein kleines Kind war und nichts von Sklavengeſchichten wußte. Damals hätte es meine Eltern gefreut, wenn ich ihnen gefolgt wäre.“
„Aber Sie werden mir doch Nachrichten von ſich geben,“ meinte Auguſt.„Thun Sie das doch ja, und wenn Sie nicht gar zu weit weg wohnen, ſo werde ich Sie, ſobald ich kann, be⸗ ſuchen.“
„Ihnen Nachrichten zu geben wird etwas ſchwer ſein; von dort „hieher ſind die Poſteinrichtungen noch ziemlich mangelhaft; aber was einen Beſuch betrifft, ſo können Sie darüber ganz ruhig ſein, ich bin überzeugt, daß es über kurz oder lang dazu kommen wird und wir alsdann ein freudiges Wiederſehen feiern.“
Auguſt ſchüttelte den Kopf und meinte nach einer Pauſe: „Sie ſprechen immer in ſo unbeſtimmten Ausdrücken, und ich be⸗ greife nicht, weßhalb Sie vor mir all' die Heimlichkeiten haben, Sie könnten mir wenigſtens eine Adreſſe da laſſen, damit ich im Stande wäre, Ihnen nächſtens einmal Nachrichten von uns zu geben; es wird Sie doch gewiß intereſſiren, zu erfahren, wie es mir und Marie eigentlich geht.“
„Seien Sie unbeſorgt,“ erwiderte der Commis,„ich werde das ſeiner Zeit gewiß ſchon erfahren.— Viſſen Sie,“ ſetzte er eigenthümlich lächelnd hinzu,„wenn auch das Haus, in das man mich dringend eingeladen hat, ziemlich abgelegen iſt, ſo bin ich doch überzeugt, daß es in mannigfaltigem Rapport mit der äuße⸗ ren Welt ſteht, namentlich Sommers, wo die Nachtigallen ſchlagen, wo die Roſen blühen und verſchiedenartige Blumen ihre kleinen Wurzeln tief, tief hinab in die Erde treiben.—— Es iſt das ein ganz merkwürdiges Haus,“ fuhr er nach einem längeren Stillſchweigen fort,„und es hat Aehnlichkeit mit den Paläſten und hängenden Gärten der Semiramis, denn man wohnt dort parterre


