Ein Abſchied. 207
worauf er ein paar zerknitterte Halme herauszog, ſie in der Hand zerdrückte und in die Taſche ſchob. Dann kehrte er in ſein Zimmer zurück, wo Auguſt an dem Tiſche ſaß, den Kopf auf die Hände gelegt und finſter in das flackernde Licht ſtarrend.
3„Ich will Ihnen Etwas ſagen,“ ſprach der Commis nach einer Pauſe, während welcher er ein paarmal durch das Zimmer ge⸗ ſchritten war,„ich hatte mir anfänglich vorgenommen, dieſes Haus morgen zu verlaſſen; aber ich kann es unmöglich noch eine Nacht mit ihm und ihr unter demſelben Dache aushalten und bin deßhalb entſchloſſen, noch heute Abend fortzugehen.“
„Aber es iſt ja finſtere Nacht,“ verſetzte erſchrocken der Lehr⸗ ling.„Und wo wollen Sie denn eigentlich hin?“
„O, ich finde wohl noch einen ſtillen Ort, der mich freundlich aufnimmt,“ entgegnete wehmüthig lächelnd der Andere.„Sorgen Sie nicht für mich, machen Sie überhaupt keine ſo trübe Miene; wenn es einmal geſchieden ſein muß,— und dieſer große Moment iſt unwiderruflich da,— ſo wollen wir das in guter Laune und mit beſtem Humor thun.“
„Sie ſehen aber gar nicht aus wie Jemand, der zum Scherzen aufgelegt iſt,“ ſagte Auguſt, indem er bedenklich in das verſtörte Geſicht ſeines Freundes ſah, in deſſen Augen und auf den einge⸗ fallenen Wangen noch die deutlichen Spuren der eben vergoſſenen Thränen zu bemerken waren.
„Da irren Sie ſich ſehr,“ erwiderte Herr Beil, der gewaltſam Athem holte;„ich ſehe nur von Außen ein wenig griesgrämig aus, bin aber dafür innerlich um ſo vergnügter; es geht mir in dem Punkte wie den Maikäfern.“
„Wenn es wirklich wahr wäre, ſo ſollte es mich freuen, denn Sie haben mir mit Ihren Worten vorhin und mit Ihren Seufzern förmlich Angſt gemacht.“
„Das iſt möglich; aber in der That, Sie können mir glau⸗


