Vierzigſtes Kapitel.
erſchienen, und die gleich drohenden Geſpenſtern all' ſein beſſeres Denken und Fühlen faſt erſtickten.— Wie hatte er dieſes Mädchen geliebt, wie hatte er ſich im Dienſte ſeines Herrn geplagt, indem ihm lange die Hoffnung blieb, es würde möglich ſein, daß ihm doch noch einmal das Glück lächle und daß er im Stande ſei, ihren Beſitz zu erringen. Bei ſolchen Gedanken hatte er vor Wonne geſchaudert; wenn er ſich recht heitere Stunden machen wollte, ſo träumte er glänzende Träume, wie er endlich vor ſie hintreten würde und ihr Alles anbieten, was er habe— eine kleine aber ſorgenfreie Exiſtenz. Freilich würde ſie ihm vielleicht ſagen: ſehen Sie, Herr Beil, ich fühle gerade keine übermenſchliche Liebe zu Ihnen, aber das wird ſich vielleicht ſpäter finden; vorderhand achte ich Sie, ſchätze ich Sie hoch und nehme Ihren höchſt achtbaren Antrag an.— Das wäre Alles ganz im Geheimen abgemacht, und der Herr Blaffer damit fürchterlich überraſcht worden,— fürchter⸗ lich, indem man ihm eine ſo ſicher geglaubte Beute entriß.— Aber das hatte das Schickſal nicht gewollt, es ſandte keine Lichtblicke hernieder in ſein Leben, es ſtreute nicht irgend eine kleine Gabe auf ſeinen Pfad, es ſchien nicht zwei Weſen vor dem Verderben retten zu wollen,— es rauſchte finſter, gewaltig und unaufhaltſam über ſie dahin, und ſchmetterte ſie zu Boden, ſie, die vielleicht unter anderen Verhältniſſen ein beſcheidenes, glückliches Loos hät⸗ ten finden können. 3 Er mochte ziemlich kange ſo geſeſſen haben auf dem Rande des Bettes, und allmälig lösten ſich die wilden Schmerzen ſeiner Bruſt in tiefe Wehmuth auf er fühlte erquickende Thränen in ſeinen Au⸗ gen aufſteigen und dann über die Finger, die er davor gepreßt hielt, herabrieſeln. Er dachte eigentlich gar nichts mehr; der ſte⸗ chende, wilde Schmerz ſeiner Seele war verſchwunden, und nur ein allgemeineres, aber ſanfteres Weh erfüllte ihn vollſtändig. Endlich ſtand er auf, doch wie er ſich dabei mit der Hand
auf das Lager ſtützte, raſchelte das Stroh unter ſeinen Fingern,
— p-


