Unter dem Dache. 205
mehr die Magd hier im Hauſe zu machen braucht und daß ſie nicht mehr nöthig hat, hier oben in der kalten Kammer zu ſchlafen. Ich verſichere Sie, es geht ihr jetzt recht gut, ſie bewohnt drunten ein angenehmes Zimmer und näht und ſtickt den ganzen Tag.“
Der Commis ſchaute bei dieſen Worten den jungen Menſchen achſelzuckend an, dann murmelte er zwiſchen den Zähnen:„da hel⸗ fen keine Katzenköpfe, um den zur Erkenntniß zu bringen.— Alſo ſie näht und ſtickt?“ fuhr er lauter fortz„und was treibt ſie ne⸗ benbei? lacht ſie oder weint ſie?“
„Singen habe ich ſie freilich lange nicht gehört, auch ſchaut ſie ziemlich betrübt aus; aber Sie wiſſen, daß ſie ſchon ſeit langer Zeit nicht recht heiter war.“
„Ja, ich weiß das,“ entgegnete Herr Beil,„und ich kann mir auch die Urſachen davon erklären. Aber jetzt will ich Ihnen etwas ſagen: gehen Sie in mein Zimmer zurück, ich folge Ihnen ſogleich; Sie können auch das Licht mitnehmen, ich brauche es nicht, denn ich will nur ein wenig da zum Fenſter hinaus ſehen; es iſt hier die Wetterſeite, und ich möchte wiſſen, ob es ſchneien oder frieren wird. Gehen Sie nur, ich komme gleich.
Auguſt nahm das dünne Talglicht und verließ das Gemach, worauf er nach der gegenüber liegenden Kammer ging.
Vierzigſtes Kapitel. Ein Abſchied.
Der Commis ließ ſich auf das Bett nieder, ſtützte Hände und Kopf auf das hölzerne Geſtell und verſank in tiefes, finſteres Hin⸗ brüten. Es waren ſchreckliche, wilde Gedanken, die in ſeinem Kopfe


