Papier und Schlüſſel. 45
nein, ich werde es nicht ſagen; deßhalb geben Sie mir ihn nur wieder, denn was nützt er Sie, da Sie ſeine Beſtimmung doch nicht wiſſen?“
„O ich werde ſie erfahren,“ entgegnete er heiter und vergnügt, „ich werde mich nächtlicher Weiſe einſchleichen wie ein Dieb, ich werde ſämmtliche Schlöſſer deines Hauſes unterſuchen, bis ich weiß, wo das rechte iſt.“
„Dazu wären Sie wahrhaftig im Stande,“ ſagte das junge Mädchen mit einem ſeltſamen Blicke;„weiß Gott, ich traue Ihnen ſo Etwas zu. Und das wäre ja ein wahres Unglück.“
„So beuge dieſem Unglücke vor und ſage die Wahrheit,— die kleine, ſüße, angenehme Wahrheit.“
„Und wenn ich es thue, erhalte ich meinen Schlüſſel wieder?“
„Wir wollen ſehen.“
„Nein, nein, von: wir wollen ſehen, darf keine Rede ſein, ein einfaches Ja oder Nein.— Bekomme ich alsdann meinen Schlüſ⸗ ſel wieder?“
„Wenn er nichts Gefährliches verſchließt, ja.“
„Keine Bedingungen; darauf laſſe ich mich gar nicht ein. Ich ſage Ihnen, zu welcher Thüre der Schlüſſel paßt, und Sie geben ihn mir zurück. Gehen Sie das ein?“
Der Baron zuckte lächelnd die Achſeln, dann ſagte er:„Sie ſind grauſam, Auguſte; aber was kann ich machen? Sie haben mich in der Hand.— Doch ich will Ihnen noch einen andern Vor⸗ ſchlag machen: Sie ſagen mir die Beſtimmung dieſes Schlüſſels, darauf gebe ich Ihnen denſelben zurück und dann erlauben Sie mir, Sie nach Umſtänden wieder darum zu bitten.“
Das Mädchen zauderte, eine Antwort zu geben, endlich aber ſprach ſie:„das iſt eine gefährliche Bedingung; wenn Sie ſich aufs Bitten legen, da weiß ich am Ende nicht, was ich machen ſoll. Nein, nein, es iſt mir zu gefährlich.“


