44 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
zu bitten, jetzt wollen Sie ſchon verlangen.— Nein, nein! Die Beſtimmung dieſes Schlüſſels ſage ich Ihnen nicht, denn ich will Ihnen nur geſtehen, das könnte wahrhaftig Ihren Argwohn er⸗ regen.“
„Ah! kleine Verrätherin!“ entgegnete der Baron neckend.„Sie ſind noch ſo jung und tragen ſchon verdächtige Schlüſſel bei ſich. Aber es iſt meine Pflicht, für Ihr Beſtes zu wachen, und ſomit lege ich feierlich auf dieſen Schlüſſel Beſchlag und nehme ihn an mich; denn das iſt eine Waffe, die in Ihrer unerfahrenen Hand gefährlich werden könnte.“
„Aber er hält feſt an mir,“ erwiderte lachend das Mädchen, als ſie ſah, daß er vergebliche Bemühungen machte, den Schlüſſel von dem Stahlringe zu trennen. Es war dies übrigens ein ge⸗ fährliches Spiel auf ihrem Knie, und der junge Mann beeilte ſich auch nicht, an der ihm wohl bekannten verborgenen Feder zu drücken, welche den Ring öffnete. Endlich that er dies doch und der Schlüſſel fiel in ſeine Hand.
„Sehen Sie,“ ſprach er, indem er denſelben triumphirend in die Höhe hob,„hier wäre das Inſtrument, das ich, wie ſchon ge⸗ ſagt, verpflichtet bin, zu mir zu nehmen. Seien Sie aber jetzt ein artiges Kind und ſagen Sie mir, welche Thüre dieſer Schlüſſel aufmacht.⸗
„Ich ſage es nicht,“ entgegnete ſie kopfſchüttelnd;„gewiß nicht. Den Raub kann ich nicht hindern, doch ſoll es ein Räthſel in Ihrer Hand bleiben.“
„Aber wenn ich dich herzlich um die Auflöſung bitte, mein ſüßes, ſüßes Mädchen?“ ſagte der Baron ſchmeichelnd, indem er ihre Hand ergriff und ſie abermals an ſeine Lippen führte.— „Vertrau es mir an, es iſt das ein kleines, angenehmes Geheim⸗ niß mehr.“
„Nein, nein!“ verſetzte Auguſte eifrig. Und dabei ſuchte ſie den Schlüſſel zu fangen, den er neckiſch in die Höhe hielt.„Nein


