Vierundzwanzigſtes Kapitel.
iſt, ſo viele bis dahin unüberſteigliche Schranken zu Boden zu werfen, wie er weite Klüfte ausfüllt, die uns bis dahin trennten, wie er eine Vertraulichkeit hervorzuzaubern vermag, an die man bis dahin in ſeinen kühnſten Träumen nicht gedacht. Das geht im Allgemeinen ſo, und man ſah es auch in dieſem ſpeziellen Falle; Auguſte zog ihre Hand nicht mehr zurück, ſondern ließ ſie in der des Barons ruhen, auch ſchloß ſie ihre Augen nicht wieder, ſon⸗ dern ſah den jungen Mann, der an ihrer Seite ſaß, zuweilen recht forſchend und feſt an, warf auch wohl zuweilen einen Blick auf die Thüre des Nebenzimmers, durch welche die Mama verſchwun⸗ den war. 3
„Wir haben nun zuſammen ein kleines, theures und liebens⸗ würdiges Geheimniß,“ ſagte der Baron ſchmeichelnd, indem er ihre Hand an ſeine nun wirklich brennende Stirne legte.„Bewahren wir es noch für eine kurze Zeit, Auguſte, laſſen wir es noch eine Weile verborgen vor den Augen der übrigen Welt, uns freuend, daß wir Beide etwas gemeinſchaftlich beſitzen, von dem die Uebri⸗ gen keine Ahnung haben. O, eine ſolche Heimlichkeit iſt ſo ſüß, mein Mädchen; es gibt nichts Seligeres, als ſo im Gewühle der Welt ſcheinbar fremd an einander vorbei zu ſtreifen, wo doch ein Blick, ein leiſer Druck der Hand, ein verſtandenes Wort deutlich zu einander ſpricht und vollſtändige kleine, liebe, heimliche Ge⸗ ſchichten erzählt, während wir öffentlich einem langweiligen Ge⸗ ſpräch zu lauſchen ſcheinen.“
„Gewiß, gewiß,“ verſetzte Auguſte,„ich freue mich darauf.“
„Und jetzt brauche ich nicht mehr mit tiefem Weh im Herzen von ferne zu ſtehen, wenn du im Arme anderer Tänzer an mir vorüberfliegſt, mein ſüßes Kind. Ja, ich werde ſogar glücklich ſein, wenn ſie dir ſchön thun, wenn ich ſehe, daß ſie in deiner Gunſt Fortſchritte zu machen ſcheinen, während ich doch weiß, daß die— mir Glücklichem ganz allein gehört.— Und dann wirſt du


