Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Papier und Schlüſſel. 39

genau, wer in dem ſchönen blonden Haar eine weiße Camelie trug. Ich muß es Ihnen geſtehen es war in dem Augen⸗ blick nur der Wunſch, ja das Bedürfniß meines Herzens, von Ihrem Hauſe, von Ihrer Mutter, von Ihnen ohne Verdächti⸗ gung reden zu können, was mich veranlaßt, jene Wette einzugehen. Sie, Fräulein Auguſte, trugen eine weiße Camelie. Wie könnte ich ſo etwas vergeſſen!

Es iſt wahr, entgegnete das Mädchen, indem ſie die Augen niederſchlug,ich trug eine ſolche Blume.

Und wäbrend der letzten Francaiſe entfiel derſelben ein ein⸗ ziges kleines Blättchen, fuhr der Baron inniger fort,das ich iederfallen ſah, verbeſſerte er ſeine Rede, welche dem Blicke nach, von welchem ſie begleitet war, hätte heißen müſ⸗ ſen:das ich aufhob und nun, obgleich verwelkt, auf meinem Her⸗ zen verwahre.

Auguſte hatte übrigens dieſen Blick verſtanden und ſeine Rede richtig ergänzt, denn als ſie nun ſcheu und erröthend zu ihm auf⸗ blickte, wurde ihre Bruſt offenbar von einem kleinen, aber ſüßen Seufzer geſchwellt.

So angenehm jener Ball Anfangs für mich war, ſagte der Baron nach einer kleinen Pauſe,ſo fühlte ich mich doch im Verlauf deſſelben ich kann es nicht läugnen auf's Schmerz⸗ lichſte berührt. War es mir doch nur möglich, von Ihnen, theuer⸗ ſtes Fräulein, zwei Walzer, eine Francaiſe und eine Mazurka zu erhalten; ach! und ich hatte gehofft, ſo den ganzen Abend mit Ihnen dahin zu fliegen! Gewiß, Auguſte, ich habe da ſchreck⸗ liche Stunden verlebt, und Sie fühlten das nicht einmal. Sie ſahen es nicht, wie ich in einer Ecke des Salons ſtand, wie Ihnen meine Augen folgten, während Sie ſo froh dahin flogen, Sie ahnten nicht, daß ich etwas Ungeheures darum gegeben hätte, wenn Sie nur ein einziges Mal den Kopf gewandt, wenn Sie mir, dem ferne Stehenden, nur einen einzigen Ihrer ſüßen Blicke geſchenkt.