38 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
doch noch zaudere, Ihren freundlichen Salon zu verlaſſen.— Aber ich muß wohl.“ Dies letzte Wort begleitete er mit einem tiefen Seufzer und warf dabei einen ſolch ſchwermüthigen Blick auf das junge Mädchen, daß dieſes ordentlich zuſammen ſchrak und ihre Augen auf den Boden herab ſenkte.
Die Präſidentin dagegen lächelte äußerſt freundlich bei dieſen Worten, und verließ den Salon, indem ſie eifrig ſprach:„ich ver⸗ ſichere Sie, Baron, Sie erzeigen mir eine wahre Freundſchaft, wenn Sie noch einige Zeit bei uns verweilen; der Beſuch daneben wird mich nicht lange aufhalten, ich werde gleich wieder da ſein.“
Nachdem ſich die Thüre hinter der Präſidentin geſchloſſen, warf Herr von Brand einen forſchenden Blick im Zimmer umher; und er that das auf ſo auffallende Weiſe, damit Auguſte ſehe, er ſchaue nur um ſich, um zu erfahren, ob ſie auch wirklich recht allein ſeien. Dabei dachte er: ich habe vielleicht zehn Minuten Zeit, bis Madame zurückkehrt, während derſelben muß ich ohne Aufſehen das Papier erobern, koſte es mich ſelbſt eine Liebeser⸗ klärung.— Er verließ den Kamin, ſetzte ſich in den Fauteuil des Papa’s und brachte denſelben durch eine geſchickte Wendung in die Nähe des Kamins, dem Auguſtens dicht gegenüber.
In dem Geſpräch entſtand eine kleine verlegene Pauſe, welche übrigens der Baron dazu benützte, dem jungen Mädchen ſchwär⸗ meriſch in die blauen Augen zu blicken.
Sie erröthete leicht und griff ein Geſpräch gewaltſam wie⸗ der auf..
„Sie erwähnten vorhin einer Wette,“ ſagte ſie,„ich glaube, es betraf die Farbe der Camelie, welche Mama bei der letzten Soirée in ihrem Haare trug. Sie haben auf Weiß gewettet, Graf Fohrbach auf Roſa; er hat gewonnen: Mama trug aller⸗ dings eine Roſacamelie.“
„O ich wußte das, Fräulein Auguſte,“ erwiderte er und ſpielte befangen mit dem Knopfe ſeines Stockes;„ich wußte ganz
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