Papier und Schlüſſel. 37
kommen, denn ſonſt müßte ich befürchten, Ihnen überläſtig zu werden.“
Bei dieſen Worten hatte er ſich mit dem Rücken gegen das Kamin geſtellt; vor ihm ſaß Auguſte, zu deren Füßen der kleine Papierknäuel lag. Er hätte ihn mit der Spitze ſeines Stocks er⸗ reichen können.
In dieſem Augenblicke trat ein Bedienter ein und meldete eine Frau von B., welche der Präſidentin aufzuwarten wünſche.
„Ahl jetzt muß doch geſchieden ſein,“ ſagte ſeufzend Herr von Brand, worauf er die Augen niederſchlug, um ſie gleich darauf mit einem unausſprechlichen Ausdruck zu Auguſte zu erheben.— Er mußte jenes Papier mit ſich fortnehmen, mochte es koſten was es wolle, ja er war ſchon im Begriff, als letztes Mittel ſich ohne Weiteres darnach zu bücken und es aufzuheben, als Auguſte bei einer kleinen Wendung des Fauteuils ihren zierlichen Fuß darauf ſetzte.
Die Präſidentin war raſch aufgeſtanden, um den neuen Beſuch zu empfangen, wobei ſie zu ihrem Gaſte ſagte:„bleiben Sie ja, Baron, bleiben Sie ohne Umſtände, ich kann die Dame im Neben⸗ zimmer empfangen, wenn du es nicht vielleicht vorziehſt, Auguſte, unſerem Freunde im Kabinete deine Zeichnungen und Blumen zu zeigen.“
Nun würde der Baron zu jeder anderen Zeit ſich nichts dar⸗ aus gemacht haben, die Zeichnungen und Blumen anzuſchauen; aber wenn er in dieſem Augenblicke den Salon verließ, ſo war jenes Papier, jetzt unter dem Fuße des jungen Mädchens, für ihn ver⸗ loren, weßhalb er um jeden Preis bleiben mußte.—„Wenn mir Fräulein Auguſte erlaubt,“ ſagte er ſo herzlich und verbindlich als möglich,„und mich für würdig hält, ihre herrlichen Zeichnungen und Blumen zu ſehen, ſo werde ich mir dafür morgen eine eigene Stunde ausbitten.— Sie ſehen, wie unbeſcheiden ich bin, doppelt unbeſcheiden, da ich, trotzdem ſich Ihnen ein neuer Beſuch anſagt,


