Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
ſo oft es klingelt, öffnet er ſelbſt, und ſowie es anfängt dunkel zu werden, bewaffnet er ſich und ſeine Bedienten und macht drei⸗ bis viermal des Nachts eine förmliche Patrouille durch das ganze Gebäude. Er hat alsdann einen Säbel umgeſchnallt, ein paar Piſtolen im Gürtel ſtecken; ſein Bedienter trägt ein Gewehr ſowie eine Laterne an einer langen Stange, und ſo ziehen ſie denn vom Keller bis hinauf auf den Söller und unterſuchen jeden finſteren Winkel, jeden Riegel, jedes Schloß.“
„Ja, ja,— ſo, ſo,“ machte lächelnd der Präſident;„ich glaube, mir geht ein Licht auf.“
„Es iſt auffallend,“ fuhr der Baron in gleichmüthigem Tone fort,„wie eine ſolche Furcht vor Räubern und Mördern anſteckt.“
„Doch Sie nicht?“ fragte die Präſidentin.
„O meine gnädige Frau, ich für meine Perſon wäre beinahe zur Furchtſamkeit geneigt, aber ich kenne das Schalten und Treiben unſerer vortrefflichen Polizei und bin deßhalb äußerſt ruhig.— Aber nein, ich wollte Ihnen nur ſagen, daß ein ſolches Beiſpiel der Furchtſamkeit auf ſehr merkwürdige Art ſchwache Charaktere mit ergreifen kann. Als ich nämlich vor zwei Jahren hier war, bekam ich zufällig einen Bedienten, den jener Herr A. entlaſſen; es war dies ein ganz brauchbarer und tüchtiger Menſch, bis auf ſeine Furcht vor Räubern und Mördern. Darin hatte ihn das Beiſpiel ſeines früheren Herrn ſo verdorben, daß ich faſt einen andern Burſchen gebraucht hätte, um jenem bei Tag und Nacht Geſellſchaft leiſten zu laſſen. Sobald es dunkel wurde ſcheute er ſich, allein über Corridore und Treppen zu gehen. Da er aber, wie geſagt, ſonſt ein ordentlicher Menſch war, ſo nahm ich ihn über dieſe Lächerlichkeiten vor und verſuchte es, ſie ihm auszu⸗ reden.— Umſonſt! Sein früherer Herr hatte die Phantaſie des Burſchen ſyſtematiſch mit Räubergeſchichten vollgepropft, wie man einen Kettenhund, um ihn ſchärfer zu machen, dadurch reizt, daß man von außen au's Hofthor oder an ſeine Hütte ſchlägt.“


