Räubergeſchichten. 29
ſeine Gemahlin ſagte:„aber mit euren Räuber⸗ und Mordge⸗ ſchichten erfahren wir nimmermehr, welche Art von Original der Herr A. iſt!— Baron, ſeien Sie ſo artig und erzählen Sie uns das.“
Der Herr von Brand hatte unterdeſſen durch verſchiedene
brennende Blicke mit der Tochter des Hauſes ſcharf geplänkelt, und
ſein Feuer war lebhaft erwidert worden, ja er hatte ſchon eine kleine Pantomime riskirt, indem er ſeine rechte Hand ſanft auf die Stelle des Herzens legte, worauf ſie die Augen niederſchlug, faſt ein klein wenig erröthete und einen ſtillen Seufzer mühſam unter⸗ drückte. Man ſah das an der heftigen und dann plötzlich unter⸗ brochenen Hebung ihres Buſens.“
„Ja ſo!“ erwiederte der Baron auf die Frage der Präſiden⸗ tin, indem er plötzlich aus einem tiefen Traume aufzuwachen ſchien, „ja ſo,— richtig— vom Herrn A., Räubergeſchichten glaube ich. — Ah! Das hüätte ich beinahe rein vergeſſen.“
„Nein, keine Räubergeſchichten, beſter Baron,“ ſagte die Prä⸗ ſidentin mit einem zweifelhaften Lächeln,„Sie wollten von den Seltenheiten dieſes Herrn erzählen.“
„Ja, darin kommen auch Räunbergeſchichten vor,“ erwiderte der Baron mit einer graziöſen Verbeugung.
„Ei der Tauſend!“ ſprach aufmerkſam der Präſident und ließ ſeine Naſe wieder ſo haſtig los, daß ſie augenblicklich empor ſchnellte und zu ſchnüffeln anfing, als wittere ſie arme Sünder.
„Räuber und Mörder,“ fuhr Herr von Brand fort,„aber— nur in der Phantaſie. Stellen Sie ſich nämlich vor, meine Damen, dieſer Herr A., ein reicher Kapitaliſt, kann nun einmal von der Idee nicht loskommen, man laure ihm den ganzen Tag auf, man wolle ihn um's Leben bringen, man wolle ſein Geld rauben. Auf jedem Schritte fürchtet er Räuber und Mörder; deß⸗ halb iſt ſein Haus mit Graben und Mauer umgeben, und deßhalb hat dieſer arme Mann bei Tag und Nacht keine ruhige Minnte, er vertraut Niemand den Schlüſſel zum Hof⸗ und Hausthor an;


