24 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
„Leichtſinnige junge Leute!“ rief die Präſidentin, indem ſie ſchalkhaft mit dem Finger drohte.—„Wetten da auf die Came⸗ lien, die ich im Haar trage,“ ſetzte ſie ſehr geſchmeichelt hinzu.
„Wenn Sie wünſchen, will ich Papa fragen,“ ſagte Auguſte.
„Ja, ja,“ meinte auch die Präſidentin,„das kann ja gleich geſchehen. Laß; dem Präſidenten ſagen, der Herr Baron von Brand ſei da, er wird ſich gewiß ein großes Vergnügen daraus machen, auf einen Augenblick herüber zu kommen.“
„Aber wir ſtören ihn in ſeinen wichtigen Amtsgeſchäften,“ ſprach der Baron.
Worauf die Präſidentin ſich verbeugend erwiderte:„für einen Freund des Hauſes hat mein Mann immer eine Viertel⸗ ſtunde übrig.“
Auguſte ging hinaus, um den Papa zu benachrichtigen, und der Polizei⸗Präſident machte dem Worte ſeiner Gemahlin alle Chre, denn er erſchien faſt augenblicklich, rieb ſich vergnügt die Hände, und freute ſich auf's Außerordentlichſte, den ucenehuen Beſuch begrüßen zu dürfen.
Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Räubergeſchichten.
Der Polizei⸗Präſident war ein kleiner magerer Mann mit einem ernſten, dürren Geſichte, grauen ſtechenden Augen, einer langen Naſe, mit welcher er ſich übrigens viel zu thun machte. Er faßte ſie häufig, zog ſie bald rechts und bald links, und boshafte Spötter behaupteten, er ſteure damit ſeinen ganzen Körper, indem er zuerſt immer die Naſe gewaltſam in die Richtung brächte, welche


