Auf der Polizeidirektion. 23
— Ich bin oft dort.— Heute aber erwartete ich mit Ungeduld die ſchickliche Stunde, um Ihnen meine Aufwartung machen zu können und Ihr Urtheil, unſere Wette betreffend, zu vernehmen. Da ſah ich denn, daß mir Graf Fohrbach leider ſchon zuvorgekommen.“—
„Graf Fohrbach?“ fragte verwundert die Präſidentin.„Ich weiß nichts von ihm; du auch wohl nicht, Auguſte?“ wandte ſie ſich an ihre Tochter.
„Er war nicht hier,“ verſicherte dieſe beſtimmt.
„Nicht in Perſon,“ ſagte der Baron, ſetzte aber mit einem faſt ſchmerzlichen Lächeln hinzu:„doch ich bin vielleicht indiskret. — Nein, nein, ich kann mich nicht irren, ich erkannte deutlich die Livree des Grafen, der wahrſcheinlich ſchriftlich um Ihre Entſchei⸗ dung bat.“
„Theuerſter Baron, da haben Sie falſch geſehen,“ lachte die Präſidentin.„Wir Beide wiſſen von keinem Schreiben des Grafen Fohrbach,“ ſetzte ſie hinzu, nachdem ſie ihre Tochter mit einem Blicke befragt.
„Es gibt allerdings Momente, wo man trüber als gewöhnlich ſieht, zum Beiſpiel, wenn man zu lange in ein helles Licht ge⸗ ſchaut,“ verſetzte der Baron mit Beziehung und in einem ſchwär⸗ meriſchen Tone,„aber diesmal irre ich mich nicht: es war einer der Leute des Grafen, der ungefähr vor einer halben Stunde in Ihr Haus trat. Ohl ich habe die Thüre genau beobachtet.“
„Vielleicht hat der Graf an Papa geſchrieben,“ meinte Auguſte mit einem kalten Blick auf das Nebenzimmer.
„Ich glaube nicht,“ ſagte die Präſidentin;„und wenn auch, doch gewiß nicht in Ihrer Angelegenheit.“
„Es wäre mir aber ſehr intereſſant,“ erwiderte der Baron, „das genau zu erfahren. Sie wiſſen, gnädigſte Frau, wenn man einmal eine Wette eingegangen hat, ſo überwacht man gerne alle Schritte ſeines Gegners, ſelbſt die unſchuldigſten.“


