22 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
„Ihre Beſuche ſind uns jeder Zeit angenehm,“ verſetzte die Mutter.
„Ah!“ ſeufzte der Baron, indem er die Augen öffnete und ſchloß wie ein vollkommener Geck,„das iſt in Ihrem Munde nur ein freundliches Compliment; aber ich zähle Stunden und Tage, bis mir wieder das Glück zu Theil werden darf, mich nach Ihrer koſtbaren Geſundheit erkundigen zu dürfen.“
„Und verzählen ſich?“ ſprach lächelnd Auguſte.
„Doch ohne meine Schuld,“ antwortete der Baron und machte eine Bewegung, als wolle er die rechte Hand zierlich auf ſein Herz legen, und mit einem Blick, der deutlich ſagte: kann ich dafür, daß entfernt von Ihnen mir Tage zu Wochen werden?—
Es entſtand hier eine kleine liebliche Pauſe. Der Baron ſchien in tiefes Nachdenken verſunken, aus dem er jetzt aber empor fuhr und haſtig ſagte:„aber mein jetziger Beſuch, gnädige Frau, iſt nicht ganz ohne Grund. Denken Sie ſich, wir waren geſtern Abend beim Grafen Fohrbach und es kam die Rede auf Ihre letzte Soirée. Natürlicher Weiſe ſprachen wir über elegante Toiletten, und darauf behauptete ich, Sie, gnädigſte Frau, ſeien damals in einer veilchenblauen Atlaßrobe mit weißen Camelien im Haar er⸗ ſchienen; Graf Fohrbach ſtritt für eine von Roſafarbe, und ich muß geſtehen,“ ſetzte er faſt beſchämt hinzu,„daß wir darüber eine kleine Wette eingingen.— Nun war ich vorhin drüben in dem Kaffeehauſe—“ 4
„Gegenüber unſerem Hauſe?“ fragte Auguſte lächelnd, und wir glauben, daß ſie ein wenig erröthete..
„Ja, mein Fräulein,“ erwiderte der Baron, indem er abermals die Augen niederſchlug,„Ihren— Fenſtern gegenüber.“
Worauf ihn wiederholt eine volle Lage ihrer Blicke traf.
Nachdem ſich der Baron einigermaßen erholt, nahm er ſeine Rede wieder auf und liſpelte:„ich war alſo in dem Kaffeehauſe.
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