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Auf der Polizeidirektion. 21
„Ei, Baron,“ entgegnete lächelnd die Präſidentin,„es ſind noch nicht acht Tage.“
„Unmöglich!“ entgegnete er erſtaunt.„Ich verſichere Sie: volle vier Wochen.“
„Es war vergangenen Donnerſtag,“ beharrte ſie freundlich lächelnd,„und heute haben wir Mittwoch. Da Sie meinen Wor⸗ ten nicht zu glauben ſcheinen, beſter Baron, ſo will ich Auguſte rufen laſſen, die Ihnen gewiß genau ſagen wird, wann Sie da waren.“ 4
Der Baron verſtand die zarte Anſpielung der Mutter, doch ſchien ihm offenbar dieſes Glück zu groß. Er athmete tief auf, ſchlug die Augen nieder und betrachtete angelegentlich ſeine leder⸗ farbenen Handſchuhe.
Die Präſidentin klingelte, und da ihre Tochter Auguſte ganz zufälliger Weiſe ſelbſt kam, um ſich nach ihren Befehlen zu erkun⸗ digen, ſo konnte ſie gleich da bleiben, was ſie denn auch nicht ohne einige ſehr gut an den Tag gelegte Verwirrung that.
Auguſte war ein hübſches blondes Mädchen von einigen zwan⸗ zig Jahren.— Als Mama ihre Entſcheidung über den ſtreitigen Fall von vorhin verlangte, ſchlug ſie ſanft die Augen nieder und ſagte erröthend:„Sie waren in der That am vergangenen Donners⸗ tag hier, Herr Baron.“
„Und ich dachte, es ſeien volle vier Wochen,“ entgegnete er. —„Wie iſt mir die Zeit ſo lange geworden!“ ſetzte er leiſer hinzu, indem er der Mutter eine Sekunde in die Augen ſah und alsdann einen verheerenden Streifblick auf die Tochter warf⸗
Letztere antwortete mit einer vollen Lage aus ihren hübſchen blauen Augen und wandte ſich darauf, ſcheinbar in Verlegenheit, ab, doch manöverirte ſie wie ein gut geführtes Kriegsſchiff, und lud nach dieſer Bewegung ihre Geſchütze zu einem neuen Angriff.
„So muß ich alſo doppelt um Verzeihung bitten,“ ſagte eifrig der Baron,„daß ich Sie heute ſchon wieder beläſtige.“


