Auf der Polizeidirektion. 19
Ein paar harmloſe Zeitungsleſer in dem Kaffeehauſe, die das laute Wort des Barons vernommen, blickten erſtaunt in die Höhe, ſchrieben es aber wohl einem Artikel zu, den der Baron in ſeinem Journal geleſen, denn dieſer bezwang ſich angenblicklich und ſchaute ſo harmlos in die Spalten, als intereſſire ihn ſonſt nichts auf der ganzen weiten Welt; auch blieb er noch eine gute Viertelſtunde an der Thüre ſtehen, worauf er ruhig von dannen ging und ebenſo über den Platz ſchritt bis zum nächſten Fiakerſtand. Dort ſetzte er ſich in einen Wagen, gab dem Kutſcher eine Adreſſe, forderte ihn auf, ſchnell zu fahren und befand ſich kurze Zeit darauf an der Thüre ſeiner Wohnung.
Da wir ſpäter und zu gelegenerer Zeit dem Baron einen Be⸗ ſuch zu machen gedenken, ſo wollen wir uns jetzt nicht mit einer Beſchreibung dieſer Wohnung aufhalten, um ſo weniger, da der Herr des Hauſes ſelbſt außerordentlich eilig zu ſein ſcheint. Schon auf der Treppe pfiff er auf eine eigenthümliche Art, worauf ein Bedienter berbeiſprang und die Glasthüre aufriß, die in den erſten Stock führte.„Sogleich meinen Wagen!“ befahl der Baron, indem vorüber ſchritt und ſich in ſein Ankleidezimmer begab, wo ihn der Kammerdiener erwartete. Kurze Zeit nachher hörte man einen Wagen vorfahren, und als der Bediente die Meldung davon brachte, hatte ſich der Baron bereits umgezogen. Er trug einen eleganten einfachen Morgenanzug, ließ von dem Kammerdiener ein rothes Band in das Knopfloch befeſtigen, zog einen leichten Paletot an, und eilte ebenſo geſchwind die Treppen hinab, wie er hinaufgeſtie⸗ gen war.. 6
„Nach der Polizeidirektion!“ rief er dem Kutſcher zu; das leichte Coupé flog davon und hielt kurze Zeit darauf vor dem uns bekannten Gebäude.
Von dem Geſicht des Barons war unterdeſſen jede Wolke verſchwunden, und ein heiterer Sonnenſchein lächelte aus allen ſeinen Zügen. Er ſchritt leicht und gewandt die breite Treppe


