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18 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
Das Alles bemerkte der Baron vor dem Bilderladen und ſprach leiſe zu ſich ſelber:„wenn der Kerl da einen Auftrag hätte, ſo würde er ſich bei dem ſcheußlichen Wetter wahrſcheinlich beeilen, da er aber auf Etwas zu ſpekuliren ſcheint und auf alle Fälle über etwas nachdenkt, ſo will mir ſein Herumſchlendern dort bei dem verdächtigen Gebäude durchaus nicht gefallen.— Paſſen wir auf.“
Jetzt hatte der Lakai wieder einige Schritte gethan und be⸗ fand ſich an dem großen Eingang der Polizeidirektion. Er bliebe hier abermals ſtehen, betrachtete das Haus von oben bis unten, blickte verſtohlen in das Veſtibul, las hierauf eifrig die an der Mauer aufgeklebten Anzeigen, dann ſetzte er einen Fuß auf die unterſte Treppenſtufe, zog ihn aber wieder zurück und ſchlich an dem Hauſe vorüber.
Der Baron athmete tief auf.— Jetzt aber ballte er krampf⸗ haft die rechte Hand, ſtreckte ſich hoch empor und ſein Auge blitzte; drüben war der Bediente wieder umgekehrt’ und nach einem aber⸗ maligen Zaudern nun in der Thüre des Polizeidirektions⸗Gebäu⸗ des verſchwunden.
Einen Augenblick verharrte der Baron in der eben beſchriebe⸗ nen Stellung, dann biß er die Zähne über einander, nickte mit dem Kopfe und murmelte:„das war ein glücklicher Zufall!“ werauf er in das Kaffeehaus trat, eine Cigarre verlangte, eine Zeitung nahm und ſich an die Thüre ſtellte; anſcheinend in das Journal vertieft, blickte er faſt jede Sekunde auf den Platz hinaus.
Er mußte nun eine gute halbe Stunde warten, bis der Lakai drüben wieder aus dem Gebäude heraustrat.—„Ich will nun ſehen, wie er davon geht,“ dachte der Baron,„ſchleicht er unent⸗ ſchloſſen zurück, wie er gekommen, ſo iſt vielleicht nichts verloren; — wenn nicht—— ah! der Hallunke!“— Dieſer Aus⸗ ruf entfuhr ihm etwas lauter als er es gerade gewollt, da er be⸗ merkte, wie der Bediente drüben förmlich die Treppe herabſtürzte und als werde er gejagt über die Straße dahin flog.


