Auf der Polizeidirektion.„ 17
wandte ſich aber, um dem ihm Begegnenden nicht aufzufallen, nach einem Bilderladen, wo er angelegentlichſt ein paar Kupferſtiche zu betrachten ſchien, in der That aber ſeine Augen feſt auf die andere Seite des Platzes gerichtet hielt.
Dort befand ſich ebenfalls ein eleganter Laden, und ein Strom von Menſchen trieb bei ihm vorbei; es war das eine ziemlich wirre Maſſe von Fußgängern aller Art: Herren in Paletots, Damen in Mänteln, viel Regenſchirme und viele Equipagen, die ab und zu fuhren und bald vor dieſem, bald vor jenem Gewölbe hielten.
Während der Baron da ſtand und ſchaute, änderten ſich ſeine Geſichtszüge in der gleichen Art wie vorhin im Salon des Grafen Fohrbach, nur mit dem Unterſchiede, daß jetzt Entſchloſſenheit we⸗ niger vortrat, dagegen eine geſpannte Aufmerkſamkeit alle Muskeln ſeines Geſichtes zuſammenzog.
Ohne unſere Hülfe wird der geneigte Leſer unmöglich erra⸗ then, was der Baron ſo aufmerkſam betrachtete, weßhalb wir es für unſere Schuldigkeit halten, dieſen Gegenſtand näher zu bezeichnen.
Zwiſchen dem Gewühl der Wagen und Fußgänger bemerken wir einen Bedienten in anſtändiger Livree, ohne Regenſchirm, den himmliſchen Waſſern trotzend, der anſcheinend vollkommen ſorglos und durchaus nicht eilig an den Häuſern vorbei ſchleicht. Jetzt hatte er beide Hände in die Hoſentaſchen geſteckt, im nächſten Mo⸗ mente zog er ſie hervor und legte ſie auf dem Rücken zuſammen. Dabei blieb er zuweilen einen Augenblick ſtehen, ſchaute an den Himmel hinauf und ſchien etwas in Ueberlegung zu ziehen, worauf ihn das Reſultat dieſes Nachdenkens vorwärts trieb, denn er machte ein paar ſchnelle Schritte, um gleich darauf wieder nachdenkend ſtehen zu bleiben; endlich pflanzte er ſich vor einem der Gewölbe auf, beſchaute aber nicht die ausgelegten Waaren, ſondern blin⸗ zelte nach der Polizeidirektion, die nur noch wenige Schritte vor ihm lag. 3
Hackländers Werke. XVII. 2


